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Dritter Abschnitt: Die Technik
es im Anfang des Hochofenprozesses für ein mißglücktes Erzeugnis, dasdurch Nachlässigkeit der Arbeiter verdorben sei und bestrafte die Arbeiter.Man wußte eben noch nicht, daß durch den Hochofenprozeß eine größereMenge Kohlenstoff (bis 5%) im Eisen gebunden wird, und daß infolge-dessen das Eisen brüchig ist. Bei der früheren Art der Herstellung hatteder Kohlenstoff 1,6% betragen, und das war das richtige gewesen: man hattees getroffen, ohne es zu wissen. Vgl. A. Binz , Kohle und Eisen 2 , 35/36.
3. Alle Leitung, Ausführung, Kontrolle werden — nach Möglich-keit — der unmittelbaren menschlichen Einflußnahme entzogen undebenfalls versachlicht, das heißt einem System automatischwirkender Mechanismen übertragen. Automatisch erfolgt die Fest-stellung des Wärmegrades oder der chemischen Zusammensetzungeines Körpers (Eisen!); automatisch die Messung, Wägung, Zählung;automatisch der Maschinenprozeß (Wattsche Dampfmaschine!).
Analog wiederum den exakten Naturwissenschaften: „in der physikali-schen Akustik, Optik und Wärmelehre sind die spezifischen Sinnes-empfindungen geradezu ausgeschaltet. Die physikalischen Definitionendes Tons, der Farbe, der Temperatur werden heute keineswegs mehr derunmittelbaren Wahrnehmung durch die entsprechenden Sinne entnommen,sondern Ton und Farbe werden durch Schwingungszahlen usw. definiert“.Max Planck, Die Einheit des physikalischen Weltbildes. PhysikalischeZeitschrift. X. 1909.
III. Die Bewegungsgesetze des technischen Wissens(Erfindung und Erfinder)
1. Allgemeines
Jede Zeit, jedes Volk haben ihren bestimmten Besitzstand antechnischem Wissen und Können. Er bezeichnet die Höhenlage ihrermateriellen Kultur und wird mehr oder weniger rasch vermehrt.
Die Vermehrung erfolgt durch „Erfindungen“ (siehe oben Seite 74).Das Wort „Erfindung“ hat einen Doppelsinn, wie wir nun bei genaueremHinsehen feststellen müssen. Es bezeichnet nämlich einerseits einenZustand: es beruht auf einer Erfindung, ist eine Erfindung, daß manetwas so und so machen kann; andererseits einen Vorgang: jemandmacht eine Erfindung. Derjenige Forscher (A. Dubois Reymond),der auf diesem Doppelsinn sein System aufbaut, hat zur Unter-scheidung dieser beiden Bedeutungen, die in dem Einen Wort „Er-findung“ enthalten sind, die Verwendung zweier (leider fremd-sprachiger!) Worte vorgeschlagen: Inventat und Invention. Auch ichwerde mich dieser Ausdrücke bedienen.