Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

Siebentes Kapitel: Der neue Geist 89

3. Die subjektiven Bedingungen

Unter subjektiven Bedingungen, von denen die Entfaltung desErfindungswesens abhängig ist, verstehe ich alle diejenigen Bedingungen,die sich in der Person des Erfinders erfüllen. Unnötig zu sagen, daßobjektive und subjektive Bedingungen vielfach im Verhältnis einesunlöslichen Zusammenhangs stehen und sich häufig gar nicht rein alsdie eine oder die andre Axt erkennen lassen. Aber darum können wirsie doch begr iffli ch voneinander trennen, und auch in der Wirklich-keit wird man sie meist voneinander unterscheiden können.

Allgemein nun läßt sich dieses sagen, daß in unserer Zeit sich allesvereinigt, um auch die subjektiven Bedingungen in einem früher niedagewesenen Maße der Vermehrung der Erfindungen günstig zu ge-stalten, und zwar sowohl durch Vermehrung der Zahl der Erfinder,als durch bessere Auslese der Erfinder, als endlich durch Intensivi-sierung ihres Erfinderwillens.

Um die Eigenart der heutigen Lage recht einzusehen, tun wir gut,uns die Verhältnisse der früheren, das heißt aller vor-kapitalistischen Zeiten zu vergegenwärtigen. Der Stand der Dingewar ehedem folgender: Große, entscheidende Erfindungen zu machengalt als eine den Göttern und Göttersöhnen vorbehaltene Beschäftigung.Man nahm sie als Geschenk des Himmels hin und staunte dasWunderan. Von den Sterblichen kümmerten sich die feineren Geister über-haupt nicht umTechnik, die der Vervollkommnung des wirtschaft-lichen Prozesses diente, überließen diese vielmehr ganz denBanausen.Allenfalls fand die Kriegstechnik Liebhaber. Der Alltagsarbeiter aber,das heißt eben der Banause, machte die Sache, wie er es gelernt hatte:er arbeitete traditionalistisch und wollte weder noch konnte er vieländern. Siehe, was ich oben über die objektiven Bedingungen im Zeit-alter des Handwerks gesagt habe. Dasselbe gilt für die eigenwirtschaft-liche Epoche. Eine eigentlicheErfinderzunft fehlte also in allerfrüheren Zeit.

In diesen Verhältnissen trat ein Wandel erst mit dem Anbruchder neuen Zeit ein. Jetzt entsteht ein Wille zur Erfindung, der frei-lich zunächst ganz und gar irrationale, das heißt romantische oder(der Zeit seiner Betätigung angemessen gesprochen) barocke Formenannimmt. Es wimmelt von Gelegenkeits-, von Amateurerfindern, da-neben von Vielerfindern ohne fachliche Begrenzung und Schulung:den erstenBerufserfindem. Ich habe diese Zustände, wie sie sich