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Dritter Abschnitt: Die Technik
im Zeitalter des Frühkapitalismus gestalten, ausführlich im 29. Kapiteldes ersten Bandes dieses Werkes geschildert.
Demgegenüber weisen die Erfindertypen des hoch-kapitalistischen Zeitalters folgendes Gepräge auf. Wirkönnen unterscheiden: Erfindergenies, Laienerfinder und Berufser-finder. Alle drei Typen, das ist das Kennzeichen unserer Zeit, sindin Hülle und Fülle vorhanden. Sie lassen sich im einzelnen etwa sokennzeichnen:
(1.) die Erfindergenies erscheinen auch heute noch gelegent-lich in der Gestalt der alten Romantiker, das heißt als Nicht-Fach-männer. Erscheinungen wie Cartwright oder Henry Cort wird man nochder frühkapitalistischen Ära zurechnen können. Aber durchaus demZeitalter des Hochkapitalismus gehört doch an ein Erfinder wieBessern er, der ein Bronzewarenfabrikant ohne alle chemischen Kennt-nisse war. Oder ein Mann wie Ernst Solvay, von dem wir erfahren,daß er keine chemischen Bücher las und von der Chemie nur wußte,was er bei seinem Vater, einem Kochsalzraffineur, und bei seinemOnkel, dem Leiter einer Gasanstalt, gesehen hatte. Er war, wie er selbstvon sich sagte, „ni ingenieur, nichimiste“; ,,avec la foi de l’inventeur“begann er den Bau einer kleinen Fabrik.
Aber die Regel ist das heute und schon seit langem doch nicht.Die Regel ist vielmehr die, daß auch der hervorragende Erfinder Fach-mann, strenger Fachmann ist. Als solcher erscheint er uns zunächstin der Gestalt des Entdecker-Erfinders, das heißt des Mannes, der denwissenschaftlichen Forscher und den Erfinder in einer Person ver-einigt. Diesem Typus begegnen wir am häufigsten in der chemischenIndustrie, in der, wie ich schon hervorhob, vielfach Entdeckung undErfindung ein und dasselbe ist. Ich erinnere an Männer wie Hofmann,den Entdecker-Erfinder der Anilinfarben, an Bayer, den Entdecker-Erfinder des künstlichen Indigo, an Haber, den Entdecker-Erfinderder Stickstoffgewinnung aus der Luft. Aber auch in der mechanischen,namentlich in der elektrischen Industrie, fehlt dieser Typus nicht:man denke an Männer wie Gauß-Weber, Werner Siemens, Nernst u. a.
Ebenso häufig aber findet wohl eine Differenzierung zwischen Ent-decker und Erfinder statt, so daß dann noch die oft nicht geringeDistanz zwischen Entdecker und Erfinder überwunden werden muß.Typisch für diesen Fall ist etwa das Verhältnis zwischen Hertz undMarconi.