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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Dritter Abschnitt: Die Technik

denen sich der Erfinder unserer Zeit leiten läßt.Die Kenntnis dieser Motive gibt uns auch allerbeste Einblicke in dasVerhältnis, in dem die moderne Technik zur Wirtschaft und zu denübrigen Kulturerscheinungen steht, so daß wir nirgends besser denGeist dieser modernen Technik erfühlen können als gerade hier beiden Motiven ihrer Schöpfer.

Ehe wir die Quellen feststellen können, aus denen in Wahrheitder Erfinderdrang fließt, müssen wir auch hier wiederum einige sehrverbreitete Auffassungen als falsch zurückweisen. Eine sehr ver-schwommene Vorstellung ist es, wonach Erfindungen gemacht werden,um Bedürfnisse zu befriedigen. Wir müssen fragen,was das heißen soll. Denn es kann sehr Verschiedenes bedeuten. Eskann damit gesagt sein sollen, daß durch die Erfindung ein objektivesBedürfnis befriedigt wird (falls man überhaupt von objektiven Be-dürfnissen sprechen will und statt dessen nicht vorzieht, zu sagen:es wird eine technische Wirkung erzielt: z. B. ein Schiff mittels Dampf-kraft fortbewegt, eine Stube erleuchtet, ein Rock blau gefärbt): indiesem Sinne ist die Behauptung, daß die Bedürfnisbefriedigung derZweck des Erfindens sei, ein identischer Satz.

Man kann aber mit dieser Behauptung auch meinen, daß dasBe-dürfnis, das die Erfindung befriedigt, subjektiv vom Erfindergehabt sei, dieser also durch dieses (subjektive) Bedürfnis dazu ge-trieben sei, die Erfindung zu machen: daß also Zeppelin das Luftschifferfunden habe, weil er fliegen, Hargreaves die Spinnmaschine, weil erbilligere Hemden und Bessemer das Luftpreßverfahren, weil er billigereTaschenmesser haben wollte. Den dieser Behauptung zugrunde liegendenGedanken durchdenken, heißt ihn in seiner Unsinnigkeit erweisen.

Bleibt noch die Möglichkeit, den Satzdas Bedürfnis schafft dieErfindung dahin zu deuten, daß den Erfinder das Bestreben geleitethabe, die Bedürfnisse andrer zu befriedigen. Dann aber kann dasBedürfnis, das die Erfindung befriedigen soll, nicht selbst das Motivdes Erfinders sein, sondern dieses höchstens auslösen.

Wir sind also damit erst recht vor die Frage gestellt, welches dennnun in Wirklichkeit die treibenden Kräfte bei der Entstehung derErfindung, nämlich die Motivedes Erfinders sind, da3 heißtdie in Wahrheit von ihm gehabten Bedürfnisse, die er durch den Aktdes Erfindens befriedigen will.

Solcher Erfindermotive, das ist die erste Feststellung, gibt es sehr