Siebentes Kapitel: Der neue Geist
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zahlreiche und unter ihnen sehr mächtige. Wir können etwa folgendeGruppen unterscheiden:
(1.) die Lust amErfinden, also der rein technische Betätigungs-drang: er wird in einem „technischen“ Zeitalter wie dem unsrigensehr verbreitet sein;
(2.) die verschiedensten an den Erfolg geknüpften Interessen: Ge-meinnützigkeit, Menschenliebe, Fortschrittsenthusiasmus, militärischesInteresse, Ruhmsucht, Ehrgeiz und wohl noch manche andere; nichtzuletzt
(3.) der Erwerbstrieb, welcher nun wohl ohne Zweifel diemächtigste Triebkraft in der heutigen Erfinderschaft ist. Dieses Vor-wiegen des Erwerbstriebes unter den Motiven, die zum Erfinden an-treiben, läßt sich auf verschiedene Weise erkennen: wir können daraufaus allgemeinen Erwägungen schließen (allgemeines Erwerbsfieber!materieller Zeitgeist! ärmliche Lage der meisten „Erfinder“!); wirfinden unsre Annahme durch die allgemeine Erfahrung bestätigt, undwir können eine Menge Tatsachen anführen, die den Beweis für dieRichtigkeit dieser Annahme ausdrücklich erbringen.
Der Erfinder kann auf verschiedene Weise für seine Erfindung inGeld entschädigt werden, so daß die Anregung und Befriedigung seinesErwerbstriebs ebenfalls von verschiedenen Seiten herkommen kann.
(1.) Er kann Geld verdienen unmittelbar durch Verkauf seines Patents,durch Erlangung von Prämien, die auf Erfindungen ausgesetzt sind. Diesebieten häufig einen Anreiz.
So berichtet das Patentamt: Der elektrische Betrieb brachte einegrößere Anzahl von Unfällen mit sich, und eine Hochflut von Vorschlägenzur Verhütung entstand. Hinzu kam, daß Preise auf die beste Leistungausgesetzt wurden, wodurch die Erfindertätigkeit aufs höchste angeregtwurde. Nicht weniger als 48 Anmeldungen gingen in einem Monat fürKlasse 21 d ein, von denen die meisten sich auf Schutzvorrichtungenbezogen.
(2.) Der Gewinn kann ihm in Gestalt von Unternehmerprofit zufließen.Diese bestimmte Aussicht auf Steigerung des Gewinns, auf Erzielung vonExtraprofit ist die Triebkraft, die die kapitalistischen Unternehmungen,die, wie wir gesehen haben, sich eine große Erfinderschaft einverleibt haben,auf den Weg des Erfindens drängt.
Ich verweise auf die Angaben, die ich oben über den Erwerb vonPatenten durch interessierte Unternehmungen gemacht habe. Was dortals günstige objektive Bedingung für die Unterbringung von Erfindungenerschien, tritt uns hier als ein wesentliches Motiv des Erfinders entgegen.
(3.) können wir an der Hand von Tatsachen verfolgen, wie einen starkenAnreiz, Erfindungen zu machen, die unbestimmte Aussicht, reich zu werden,bietet.