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Dritter Abschnitt: Die Technik
Im Jahre 1838 wurde das Monopol des Schwefelverkaufs in Sizilien einer Marseiller Firma übertragen, die den Preis sofort von 100 auf 280 M.erhöhte. Dadurch entstand für die rasch erblühende Schwefelsäureindustriedas dringende Bedürfnis, einen billigen Rohstoff dem Schwefel unter-zuschieben, und der Erfindungseifer stürzte sich auf das Problem. Manfand als Schwefelersatzmittel die Pyrite (schwefelhaltige Erze). Bereits 1839lagen in England , dem hauptsächlich interessierten Lande, 15 Patentefür Pyritverwendung vor. Ellino Drösser, Die technische Entwicklungder Schwefelsäurefabrikation (1908), 35.
Die rasche Kurssteigerung und die größte Hausse der Aktien der Auer-gesellschaft fallen kurz vor das Ansteigen und das Maximum der Häufig-keit der Patentanmeldungen auf Azetylenentwickler. Bericht des K. Patent-amts. Ygl. A. Dubois-Reymond a. a. 0. Seite 174.
Deutlich schiebt sich die Erfindertätigkeit von einem weniger aussichts-reich gewordenen Gebiet auf ein gewinnversprechendes: das wird vom Patent-amt festgestellt z. B. für die Verringerung der angemeldeten Patente fürPetroleumlampen und die Vermehrung der Patente für Glühlichtbeleuchtung.
Ich habe von den Bedürfnissen gesprochen, die durch Erfindungenbefriedigt werden und dann von Motiven, die zu Erfindungen führen.Die Doppelsinnigkeit des Wortes Erfindung half uns die Unklarheitenbeseitigen, die in der Auffassung dieses Sachverhaltes häufig nochherrschen. Das Ergebnis unserer Untersuchung war: das Inventatdient der Befriedigung eines Bedürfnisses dessen, der sich seiner be-dient, die Invention geht auf ein Motiv zurück. In welchem Zusammen-hänge stehen nun aber Bedürfnis und Motiv? Die Befriedigungwelcher Bedürfnisse löst das Motiv zur Erfindung aus ? WelcheErfindungen werden gemacht? Eine Frage von größterBedeutung, die bisher kaum gestellt wurde.
Um die Frage zu beantworten, müssen wir zwei Gebiete von Er-findungen unterscheiden: Erfindungen, mittels deren neue oder ver-besserte individuelle (oder kollektive) letzte Gebrauchsgüter, Kon-sumtionsmittel hergestellt werden und Erfindungen, die zur Vervoll-kommnung der Herstellung (des Verfahrens zur Herstellung) eines be-kannten Gebrauchsgutes dienen, also zur Erzeugung von Produktions-mitteln, wie wir der Einfachheit halber sagen können.
Die ErfindungenvonProduktionsmitteln zur Er-zeugung bekannter Gebrauchsgüter interessieren nun offenbar aus-schließlich den kapitalistischen Unternehmer. Ihr „Wert“ wird daherrein rational bestimmt. Ob eine Erfindung „gut“ ist, ist ein Rechen-exempel der Rentabilität. Das heißt also: die Bedürfnisse des kapi-talistischen Unternehmers, genauer: das Bedürfnis der Profiterzielung