Neuntes Kapitel: Die ökonomische Bedeutung der modernen Technik H9
konnte) das Relais des schnellsten Reiters. Jetzt werden Briefe, Güter,Menschen auf dem Wasser mit einer Geschwindigkeit von 40 km, auf demLande von 60—80 km und mehr, in der Luft von 200 km und mehr inder Stunde fortgeschafft. In 12 Stunden konnten zurückgelegt werden:1800 mit Postwagen rund 50 km
1850 ,, Extrapost ,, 100 ,,
1900 „ „ „ 800 „
Weitere Ziffern teile ich später noch mit: siehe das 18. Kapitel.
Die größere Wirksamkeit der modernen Technik äußert sich end-lich in
y) der Steigerung der Genauigkeit.
Die Uhr unter dem Dampfhammer wird berührt, ohne das Glas zuzertrümmern! Wichtig ist diese Steigerung der Genauigkeit z. B. für dieMünzprägung: ein rationelles Geldwesen ist erst möglich geworden, seitdie Münzen so genau ausgeprägt werden können, wie es mittels der modernenTechnik geschieht. Wichtig ist sie für alle verwickelteren Maschinenanlagen,namentlich für Ergänzung und Erneuerung von Stücken, die mit denübrigen zusammenpassen müssen. Das Interchangeable System, das heißtdie Auswechselbarkeit der einzelnen Stücke, setzt schlechthin die heutigeexakte Technik voraus.
Alle diese Leistungen, die uns heute selbstverständlich erscheinen,werden in ihrer weittragenden Bedeutung erst erkennbar, wenn wir siemit den Zuständen vergleichen, wie sie der empirischen Technik eigen waren.Ich füge zur Ergänzung dessen, was ich darüber in den früheren Bändenbemerkt habe, noch die Schilderung hinzu, die A. Riedler von demStande der „Präzisionstechnik“ noch in seiner Jugendzeit gibt. Er er-zählt uns folgendes: „Genauarbeiten war unbekannt; das ,Zimmermanns-haar 1 , auf einen Zoll genau, war sprichwörtlich für schlechte Arbeit. Wasgedreht oder gebohrt war, galt als rund, als genau. Eine gewollte Genauig-keit von x / 10 mm hätte als Phantasie gegolten, eine solche von 1 / 100 mm alsVerrücktheit. Meist hatte ein Werkmeister die Herstellung der einzelnenStücke zu überwachen und auch dafür zu sorgen, daß sie durch Nacharbeitrichtig zusammengepaßt und die Maschine gangbar gemacht wurde. Beider Ingangsetzung großer Maschinen waren Brüche nicht selten, sog.,Kinderkrankheiten 1 und Nacharbeiten die Regel. Anstandsloser Laufder Maschine sofort nach Aufstellung wurde nicht erreicht, war doch fastjede Maschine anders als ihre Vorgängerin. Wenn sich die Maschinedrehte, einigermaßen die verlangte Arbeit leistete, nicht allzu viel Störungenverursachte, dann galt sie als hervorragend.“ Emil Rathenau (1916), 34/35.Vgl. damit die anmutigen Bilder, die M. Eyth von seiner Arbeit in Ägypten entwirft.
Mit der Steigerung der Leistung geht Hand in Hand
c) die Steigerung der Unabhängigkeit vom Stand-ort und von der Jahreszeit.