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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Elftes Kapitel: Die Arten des Kapitals

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wechselt wird, weil es eine Anzahl von Merkmalen mit dem echtenKapitale gemeinsam hat. Ich meine Geldsummen (rechtlich gesprochen:Vermögen), die zum Bezüge von Renten berechtigen, ohne daß sieeiner kapitalistischen Unternehmung als Unterlage dienen. Es sind imGrunde nur fiktive Größen, denen kein Wert in der Wirklichkeit ent-spricht, die vielmehr nur rechnungsmäßig durch Kapitalisierung derRente entstehen und deshalb nach der Höhe des Zinsfußes oder desProfitsatzes oder des Kapitalisierungsverhältnisses verschieden großsind.

Es sind diejenigen Gebilde, auf die wohl Sismondi (2, 229) zuerstaufmerksam gemacht und die er Capital imaginaire genannt hat. Siesind dann vor allem von Marx (vgl. Kapital III 2 , 3ff., 14ff. 342ff.)eingehend und tiefgründig behandelt worden und sind seitdem unterdem Namenfiktives Kapital bekannt. Die Bezeichnung scheintmir nicht sehr glücklich. Will man das Wort Kapital zu ihrer Bezeich-nung verwenden, so täte man besser sie negatives Kapital odervielleicht nach dem Vorgänge der Kaufmannsprache passivesKapital zu nennen. Das Beste aber scheint mir zu sein, die BezeichnungKapital ganz fallen zu lassen und von Rentenfonds, Rentenstock,Rentenvermögen zu sprechen.

Sachlich handelt es sich um Erwerbsvermögen, soweit sie keinKapital sind. Es kommen hier hauptsächlich folgende Beträge in Frage:

1. Geld, das zu konsumtiven Zwecken geliehen wird, sei esöffentlichen Körpern, sei es Privaten, selbstverständlich nur insoweit,als es nicht selbst eine kapitalistische Unternehmung ist, die das Dar-lehn gibt. In diesem Falle würde es sich um echtes, wenn auch nurdistributives Kapital handeln.

2. Geld, das zum Ankauf gewinnbringender Unternehmungenoder rententragender Grundstücke Verwendung findet.

3. Geld, das zum Ankauf von Effekten aller Art dient.

In diesen letzten beiden Fällen tritt die Summe, um die es sichhandelt, neben das Kapital; gleichsam als sein Doppelgänger. Gehtdie Aktie einer industriellen Unternehmung oder auch die Gesamtheitdieser Aktien aus einer Hand in die andere über, so erleidet das Kapital,mit dem die Unternehmung begründet wurde und betrieben wird,keinerlei Veränderung. Trotzdem wird eine Geldsumme ausgegebenund eingenommen, die aber zu nichts anderem dient, als die Bezugs-rechte von dem einen Aktienbesitzer auf den andern zu übertragen.Das Hochofenwerk in Oberschlesien oder die Spinnerei in Bayern be-