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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Erster Abschnitt: Das Kapital

wiederum ein identischer Satz ist: kapitalistische Wirtschaft heißt jadiejenige, bei der die drei Faktoren notwendig Zusammenwirken.

Alle Bemühungen, von dem Gesamterträge der gesellschaftlichen Pro-duktion einen bestimmten Anteil den beteiligten Faktorenzuzurechnen,sind grundsätzlich verfehlt. Sie entstammen apologetischen Absichten undsollten nicht länger in wissenschaftlichen Traktaten ihr Wesen treiben.Das Problem derZurechnung ist eines jener falsch gestellten Pro-bleme, an denen jede Wissenschaft krankt. Es ist unlösbar aus dem ein-fachen Grunde, weil in keinem Ganzen, das sich aus dem Zusammenwirkeneinzelner Elemente aufbaut, der Wirkungsanteil eines dieser Elemente sichfeststellen läßt. Das wäre immer nur möglich, wenn man diese Wirkungisolieren könnte, und das kann man nicht, da dann der Wirkungszusammen-hang aufhören würde, derselbe zu sein. Es ist hier nicht der Platz, die Irr-tümer der Zurechnungstheoretiker im einzelnen aufzudecken. Auch Clarkhat die Zurechnungstheorie durch seine Unterscheidung von funktionellerund personeller Verteilung nicht zu retten vermocht. Das Problem mit demdes Gegensatzes zwischenMacht undökonomischem Gesetz zu ver-quicken, ist ganz abwegig.

Siehe im übrigen die Literaturübersicht.

3. Die Verdunkelung dieser so überaus klaren Tatbestände ist nurherbeigeführt worden durch die unselige Ethisierung der Wirtschaft.Daß man in Zusammenhänge, die lediglich durch die Auswirkung be-stimmter ökonomischer Notwendigkeiten zustande kommen, sittlichePostulate hineintrug, hat den Schaden angerichtet. Man soll die gewißbrennende sittliche Frage nach der Berechtigung kapitalistischerProduktions- und Verteilungsweisen ebensowenig wie die praktisch-politische Frage: ob Wirtschaft ohne kapitalistische Prägung mög-lich und erwünscht sei, mit dem Erkenntnisproblem, die kapita-listische Wirtschaft zu verstehen, verquicken.

Das Verständnis dieser Wirtschaftsweise ist nun aber auch derSchlüssel zum Verständnis des Mehrwerts. Man hat nichts andereseinzusehen als dieses: daß der Mehrwert ein wesentlicher Bestandteilder kapitalistischen Wirtschaft ist, und daß also seineBegründung inderBegründung des Systemes eingeschlossen ist, das heißt: daß seineVoraussetzungen die Voraussetzungen des ganzen Kapitalismus sind.

Deshalb können wir als die Daseinsgründe des Mehrwerts folgendeanführen:

(1) einen bestimmten Produktivitätsgrad der gesellschaftlichenArbeit, der die Differenzierung in leitende und ausführende Arbeitund die Absonderung eines gesellschaftlichen Einkommensteils, dertechnisch nicht mitarbeitenden Personen zufällt, möglich macht;