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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zwölftes Kapitel: Die Verwertung des Kapitals

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der Intensität und der Ökonomität der Arbeit, über die im weiterenVerlauf dieser Darstellung das Nähere mitgeteilt wird. Hier muß derHinweis genügen, daß alle drei Variablen durch natürliche und sozialeUmstände in ihrer Größe bestimmt werden.

3. Nicht zufrieden mit diesen dürftigen, allgemeinen Feststellungen,hat man immer wieder versucht, bestimmte Aussagen über die tat-sächliche Höhe des Mehrwerts zu machen. Man hat sich insbesondereimmer wieder dazu verleiten lassen, Gestaltungsgesetze des Mehr-Werts aufzuweisen. Wir können zwei in ihren Ansichten sich wider-sprechende Auffassungen unterscheiden: solche, die ein Sinken undsolche, die ein Steigen des Mehrwerts als in seinem Wesen begründetannehmen.

Vertreter der (vom kapitalistischen Standpunkt aus) pessimistischenAuffassung sind die meisten Klassiker (Ricardo) und ihre Epigonen(Bastiat ), Vertreter der optimistischen Auffassung sind die meistenSozialisten, allen voran Marx. Wenn wir von den Oberflächlichen,wie Bastiat , absehen, der das Sinken des Kapitalertrages von der Ver-mehrung und Konkurrenz der Einzellcapitalien unter sich ableitete, sogeht die Verschiedenheit der Auffassung auf die verschiedene Be-urteilung des Ganges zurück, den, nach der Meinung der einzelnenDenker, die Produktivität der Arbeit nimmt. Die Klassiker nehmenein Sinken, die Sozialisten ein Steigen an, und auf der Verschieden-heit dieser Annahmen beruht im wesentlichen der Unter-schied zwischen den klassischen und den sozialistischen Systemen der Nationalökonomie.

Ricardo:Das natürliche Streben des Gewinstes ist demnach, zusinken; denn bei dem Fortschreiten der Gesellschaft und des Volkswohl-standes erlangt man den erforderlichen Mehrbedarf an Nahrungsmittelndurch Aufopferung von mehr und mehr Arbeit. Grundsätze, 92.

Marx:Die Produktionskraft der Arbeit... entwickelt sich fort-während mit dem ununterbrochenen Fluß der Wissenschaft und Technik . . .Gleich vermehrter Ausbeutung des Naturreichtums durch bloß höhereSpannung der Arbeitskraft bilden Wissenschaft und Technik eine von dergegebenen Größe des funktionierenden Kapitals unabhängige Potenzseiner Expansion. Kapital l 4 , 569.

Gegenüber diesen Theorien ist zu sagen, daß es unmöglich ist, einebestimmte Entwicklung des Mehrwerts (wie irgendeines Anteils amgesellschaftlichen Produkt) von vornherein, auf Grund allgemeinerVernunftschlüsse, also wie man es zu nennen pflegt,deduktiv fest-zustellen. Aus dem sehr einfachen Grunde, weil die oben aufgezählten