Dreizehntes Kapitel: Die Entstehung des Geldkapitals im allgemeinen Jß7
b egiündet haben: die Männer, die vor dem Beginn des imperialistischenZeitalters lebten, besaßen die bürgerlichen Tugenden vielleicht nochin größerer Reinheit als die kommende Generation. Ihre Lebenshaltungtrug jenes einfache, „puritanische“ Gepräge, das ein Kennzeichen desguten Bürgers ist. Unzweifelhaft hat diese haushälterische Lebensweiseder älteren Unternehmergeneration, aber auch der für die Kapital-bildung in Betracht kommenden Schichten des wohlhabenden Mittel-standes, nicht unwesentlich zu dem raschen Anwachsen des Kapitalsbeigetragen.
Wenn dieses noch rascher angewachsen ist, nachdem jene „puri-tanischen“ Typen unter den Unternehmern schon seltener zu werdenanfingen und nachdem in der reichgewordenen Geschäftswelt sich derLuxus schon breit zu machen begonnen hatte, so hängt das mit einerEntwicklung zusammen, die ich ausführlich im neunten Kapitel diesesWerkes geschildert habe: mit jener Tendenz zur Versachlichung derwirtschaftlichen Beziehungen, insbesondere zur Verselbständigung desKapitalverhältnisses in der kapitalistischen Unternehmung. Diese Ent-wicklung, sahen wir, hat es bewirkt, daß der Unternehmer persönlichgar nicht mehr die „bürgerlichen“ Tugenden zu haben braucht, daß esvöllig genügt, wenn sein Geschäft sie hat.
Und damit berühre ich einen dritten Punkt, der mir Beachtungzu verdienen scheint, wenn wir nach den Gründen fragen, weshalb sichdie Wirtschaftlichkeit und mit ihr die Neigung zum Sparen in unsererZeit immer mehr gesteigert haben. Es sind nämlich
y) rationale, sachliche, geschäftliche Erwägungen, die zum„Sparen“ drängen. Das heißt: die Unternehmung selbst hält das„Sparen“ für eine im Interesse einer ersprießlichen Geschäftsführunggebotene Maßnahme. Worauf ich hinziele, ist klar: es ist die immermehr zur Anwendung gelangende Politik, namentlich der Aktiengesell-schaften, ihre Gewinne nicht voll zur Auszahlung zu bringen, sondern„aufzusparen“, das heißt also zur Anlage von „Reserven“ zu verwenden.Die rationelle Dividendenpolitik der Aktiengesellschaften ist heute dervielleicht wesentlichste Faktor der Kapitalbildung geworden. Ich werdeeinige Ziffernangaben darüber machen, wenn wir nunmehr die indirekteKapitalbildung auf ihrer zweiten Etappe verfolgen. Bisher hatten wirdie Bedingungen kennen gelernt, von denen die Bildung des poten-tiellen Kapitals abhängig ist, das heißt, von denen die Höhe der er-sparten Beträge bestimmt wird. Nim bedeutet aber „Sparen“ nochnicht Kapitalbildung, wie ich bereits gesagt habe. Man kann auch