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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Vierzehntes Kapitel: Der Kredit und seine Entwicklung

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Wie stark heute noch der Bargeldverkehr selbst in den kapitalistischhöchstentwickelten Ländern ist, erweist die Statistik. Nach Robertson,Geld (1924), 43 ist das Verhältnis des Bargeldes zu den Depositen in Eng-land wie 1:9; nach Irving Fisher, Purchase power of money, 12 fürdie Vereinigten Staaten sogar wie 1% : 7. Die Verhältniszahlen drückenfür dieses Land gleichzeitig die absoluten Ziffern in Milliarden $ aus,wobei von den 1% Milliarden Bargeld % Milliarde Gold ist.

Der verhältnismäßig hohe Bedarf an Bargeld wird uns verständlich,wenn w r ir die zahlreichen Fälle uns vergegenwärtigen, in denen Bargeldbenötigt wird. Es sind folgende:

I. Saldierungen zwischen den einzelnen Ländern zur Ausgleichungder Zahlungsbilanz;

II. Saldierung zwischen den einzelnen Banken;

III. Zahlungen im Kleinverkehr: Straßenbahnen, Theater, Re-staurants, Trinkgelder, Almosen usw. Man hat sehr treffend gesagt:das Scheckbuch kann (und soll) die Kasse ersetzen, aber nicht dasPortemonnaie.

Im Vorbeigehen mag festgestellt werden, daß diejenigen einer großenTäuschung unterliegen, die glauben, daß der Scheck berufen sei, Geldzu ersetzen, das heißt als Geldsurrogat wie die Banknote zu funktionieren.Das wird er nie können aus folgenden Gründen: 1. Der Scheck empfängtseinen inneren Wert und damit seine Zahlungskraft durch den Aussteller,der in weiteren Kreisen unbekannt ist; 2. der Scheck hat keine Beziehungzum Gelde; 3. der Scheck lautet nicht auf runde Summen.

Ist in den aufgezählten drei Fällen die Beseitigung des Bargeld-verkehrs grundsätzlich unmöglich, so wird man für die folgenden zweiFälle eine solche Beseitigung grundsätzlich für möglich halten müssen,wird aber gleichzeitig festzustellen haben, daß die Beseitigung in derPraxis so gut wie unmöglich erscheint. Die Fälle, die ich im Auge habe,sind:

IV. Die Lohnzahlungen. Selbst in den Vereinigten Staaten , in denender Scheckverkehr einen sehr hohen Grad der Entwicklung erreicht hat,werden einstweilen doch nur etwa 30% der Arbeitslöhne in Schecksbezahlt.

V. Die Zahlungen an die Landwirte, insbesondere dort, wo dieseKleinwirte (Bauern) sind. Bekannt ist, daß diese Zahlungen im Herbstebesonders hohe Anforderungen an das Bargeld stellen (der autumnaldrain). Und zwar sowohl im Rahmen der einzelnen Volkswirtschaften(sehr fühlbar in Ländern wie Vereinigte Staaten, Rußland, Ungarn); als auch im internationalen Verbrauch, wo in denjenigen Ländern, die