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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Vierzehntes Kapitel: Der Kredit und seine Entwicklung

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wie ich oben schon sagte, der erste Schritt zur Entpersönlichung (Ver-sachlichung) des Kreditverhältnisses getan: die persönliche Beziehungzwischen Kreditor und Debitor ist zerschnitten (die trotz der ver-mittelnden Tätigkeit des Wechselmaklers oder des Hypothekenkom-missionsgeschäfts noch bestehen bleibt: A leiht dem B): dazwischen trittdie Bank, die Eigentümerin des Leihgeldes wird. Die Leihgelder sindzu einem in seinen einzelnen Bestandteilen, den Depositen, fungibelgewordenen unpersönlichen Leihfonds verschmolzen, der ohneRücksicht auf die Besonderheit seiner Bestandteile nach Menge undZeit beliebig verwendet wird.

Die überragende Bedeutung, die der Anwendung des Bankprinzipsfür die Ausbildung des Kreditverkehrs zukommt, springt in die Augen.Sie besteht vornehmlich in folgendem:

(1.) die Begegnung von Kreditnehmern und Kreditgebern wirdformell erleichtert;

(2.) die Unangemessenheit (Inadäquatheit) nach Größe und Leih-frist zwischen den Summen, die gegeben und genommen werden, ver-schwindet;

(3.) der Leihfonds erfährt eine gewaltige Vergrößerung durch dieAufsaugung und Nutzbarmachung auch der kleinsten Sparbeträge.

Nun haftet aber der bankmäßigen Beschaffung des Kapitals aufdem Wege der Depositen ein Mangel an: die zeitliche Beschränktheitder Passivgeschäfte. Die Depositen sind größtenteils kurzfristig, einTeil ist auf Abruf gegeben; sie sind also wenn man an dem Grundsatzder Liquidität der Banken festhält ungeeignet für Anlagekredit.Diesem Mangel hilft ein zweites Prinzip ab, das während des 19. Jahr-hunderts immer mehr zur Anwendung gelangt:

2. Das Effektenprinzip

Das Effektenprinzip besteht in der vollständigen Ver-sachlichung des Schuld- (bezw. Forderungs-)Verhältnissesund seiner Vergegenständlichung in einer Urkunde, dem sogenanntenWertpapier oder Effekt, dessen Innehabe die Berechtigung ausweist.

Diese Urkunden sind vertretbare Werte und deshalb leicht über-tragbar: bequeme Handelsartikel.

Die Arten der Effekten, die für die Kapitalbildung vornehmlichin Betracht kommen, sind folgende:

(1.) die Geldnote, das Papiergeld;

(2.) der indossierte (girierte) Wechsel;