Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
Seite
193
Einzelbild herunterladen
 

Vierzehntes Kapitel: Der Kredit und seine Entwicklung

193

Ich habe seines Orts ausführlich dargestellt, mit welchen Schwierig-keiten die Entstehung des Notenbankwesens wie allen Papiergeldesverknüpft war, und daß während der frühkapitalistischen Epoche dieEntwicklung dieser Kreditpapiere in den Anfängen steckenbleibt: siehedas 26. Kapitel des ersten Bandes.

Selbst die Noten der 1694 gegründeten Bank von England , die,wie wir sahen, die erste moderne Notenbank war, haben bis zum Endedes 18. Jahrhunderts nur eine verhältnismäßig geringe Ausdehnunggenommen. Der Betrag der ausgegebenen Noten betrug die längste Zeitim 18. Jahrhundert nicht viel mehr als 2 Mill. £ (entsprechend derHöhe des Bankkapitals).

Das änderte sich nun mit dem Beginn der hochkapitalistischenÄra: in allen Ländern entstehen zahlreiche Notenbanken, die erstlangsam nach den von mir im 5. Kapitel entwickelten Grundsätzen einekapitalistisch-rationelle Form erhalten und dann ihre vorgeschriebeneFunktion im Wirtschaftsleben ausüben. Die interessanteste Periodeder Notenbanken ist ihre Sturm- und Drangzeit, die in Europa in dasspäte 18. und das frühe 19. Jahrhundert fällt, in den Vereinigten Staaten viel länger dauert, als noch Bankfreiheit herrschte und nun die Noten-banken und Notenbankiers sich rasch vermehrten. So entstanden inEngland neben der Bank von England bis 1776 150 kleine privateBanken, die Noten ausgaben, und deren Zahl bis 1790 in der Periodedes Aufschwungs nach dem amerikanischen Kriege auf 350 stieg. Nochrascher entwickelte sich das Notenbankwesen in Schottland demHeimatlande des modernen Kreditwesens: die beiden großen Schöpferder ersten mächtigen Kreditorganisationen waren Schotten: John Law und William Patterson, wo die Banknoten früher als anderswo zueinem allgemeinen Zahlungsmittel wurden.

In seiner Frühzeit verquickt sich das Notenbankwesen auf dasengste mit dem Depositenbankwesen und wird uns bei dessen Dar-stellung noch einmal beschäftigen.

Die gesittete Notenbank wird ein Regulator des Wirtschaftslebens,in dessen Geschäftsziffern sich der Verlauf des Wirtschaftslebens wider-spiegelt. Wo ein rationell geordnetes Notenbankwesen besteht, be-obachten wir ein stetes Ansteigen der Notenausgabe während des19. Jahrhunderts, eine rasche Ausdehnung des Banknotenumlaufs seitdem Beginn der 1890er Jahre bis zum Kriege (und natürlich ausaußerwirtschaftlichen Gründen darüber hinaus). Ich verweise aufSombart , Hoctikapitulismus. 13