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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Erster Abschnitt: Das Kapital

die Ziffern, die ich in dem statistischen Teile dieses Kapitels zusammen-gestellt habe.

2. Auch wenn wir annehmen wollen, daß sich im Verlaufe der früh-kapitalistischen Periode schon Ansätze zu einer Einrichtung finden,die wir heute Depositenbanken nennen

ich habe selbst im zweiten Bande Seite 168 f. auf solche Ansätze hin-gewiesen. Galiani bei Custodi. PM. 4, 208 ff. will in den Girobanken dieersten Depositenbanken sehen; Genovesi ebenda 8, 346 knüpft ihre Ent-stehung an die Monti di Pieta (nicht die alten Staatsgläubiger in Monti,sondern die auf frommen Stiftungen beruhenden Leihhäuser), dieseprimistabilimenti umani fatti nel fervore della virtü, die deshalb s o gut ver-waltet waren, daß sich Private veranlaßt sahen, daselbst ihre Gelder zudeponieren, das heißt Darlehen zu geben gegen Ausstellung von Empfangs-bescheinigungen, die fedi di credita, die allmählich sogar anfingen, imLande an Geldes Statt umzulaufen

so werden wir doch keinen Augenblick zweifelhaft sein dürfen, daß dieDepositenbanken ihrem Geist nach dem Zeitalter der Kreditwirtschaft,das heißt des Hochkapitalismus, angehören. Es ist ein kümmerlichesVerfahren unserer Historiker, in irgendwelchen entlegenen Zeiten eineEinrichtung oder einen Vorgang festzustellen, die außerhalb des Sinn-zusammenhangs dieser Zeiten liegen und dann derenGeschichtevon diesem ersten Auftauchen an laufen zu lassen. Die innere Zu-sammengehörigkeit namentlich wirtschaftlicher Erscheinungen gilt eszu begreifen (zu welchem Behufe man freilich von dem Sinnzusammen-hange einer Zeit eine theoretisch gut begründete Vorstellung habenmuß), wenn man verständig Geschichte schreiben will. So ist es sinn-voll, das Depositenbankwesen im Anfang oder in der Mitte des18. Jahrhunderts in England und namentlich Schottland beginnen zulassen, als dort auch das Notenwesen seine ersten Schritte in dieWelt tat.

In den 1830er Jahren bürgert sich die Depositenbank, meist inVerbindung mit der Notenbank, in Schottland, England, den Ver-einigten Staaten ein; Frankreich folgt in den 1860er Jahren, Deutsch-land in den 1880 er Jahren.

Im Jahre 1825 gab es in Schottland bereits 167 Depositenbanken, vondenen 133 Zweigbanken waren. Es entfielen auf eine Bank nur 17000 Ein-wohner. 1855 war die Zahl der Banken auf 380, davon 343 Zweigbankenangewachsen, die 27 Millionzn £ Depositen hatten: ein für die damaligeZeit gewaltiger Betrag, wenn wir die geringe Einwohnerzahl Schottlands (2,9 Millionen) berücksichtigen. Es kamen also 10 £ = 200 Mk. Depositenauf den Kopf der Bevölkerung, gegen nur 300 Mk. in den Vereinigten Staaten im Jahre 1910. W. J. Lawson, History of Banking, 1875. Chapter X.