Siebzehnte« Kapitel: Die Entfaltung der Produktion 271
Und nicht nur in großen Mengen — das gilt auch hier — sind dieBodenschätze zutage gefördert worden und haben das notwendige Sach-kapital zu liefern vermocht: auch zu immer günstigeren Be-dingungen sind sie gewonnen worden. (Deshalb eben konnten sie somassenhaft produziert werden!)
Mag schuld daran die Tatsache sein, daß man gleichsam den Rahmabschöpfen, das heißt die günstig anstehenden Lager abbauen konnte(das gilt allgemein für die Anfänge), mag man auch beim Fortschreitender Produktion auf immer günstigere Abbauverhältnisse gestoßen sein(das gilt in hohem Maße von Nordamerika , wo noch heute die Stein-kohle teilweise im Tagebau gewonnen wird, und auch der Tiefbau unterverhältnismäßig sehr günstigen Bedingungen erfolgt).
„Die Steinkohlenvorkommen sind (in den Vereinigten Staaten )für die Gewinnung äußerst günstig. In der Regel liegen starke, oft6—7 Fuß mächtige Flöze dicht unter der Oberfläche in gleichmäßiger,fast ebener, für die Gewinnung sehr vorteilhafter Lage. Tiefe Schächte,wie bei uns, kommen kaum vor. Im Gegenteil, oft kann das Flöz durchhorizontalen Stollenbetrieb erreicht werden, so wie es sich bei Tälern,die in Plateaus eingewachsen sind, ergiebt. Dann macht auch die Wasser-bewältigung keine Schwierigkeiten.“ C. Koettgen, Das wirtschaftlicheAmerika (1925), 23. So ergiebt sich drüben eine viel größere Arbeits-produktivität im Kohlenbergbau als bei uns, die — zum Teil wenigstens— aus der Mehrförderung des einzelnen Arbeiters ersichtlich ist. Deramerikanische Bergmann förderte (1913) im Jahre 692 t gegen 289 imRuhrbezirk, 259 in Großbritanien, 200 in Frankreich usw. BergbauvereinEssen. Statist. Hefte Dez. 1924. „Auch im amerikanischen Erzbergbauliegen die Verhältnisse günstig: reichhaltige, ausgedehnte Eisererz-vorkommen, leicht abbaubar und ebenso reiche Kupferlagerstätten.“C. Koettgen, a. a. 0. Seite 24.
Mag man vielfach die Lager im „Raubbau“ abgebaut haben (imBerg*bau versteht man unter Raubwirtschaft einen Abbau, bei dem beispiels-weise große Teile der Kohle einer Grube gar nicht hereingenommenwerden, wie es in den Vereinigten Staaten vielfach der Fall ist [sieheWalter Giesen, Die Vergeudung der natürlichen Hilfsquellen in denVereinigten Staaten, „ Technik und Wirtschaft“, 1910, S. 102ff.], Bruch-bau statt Versatzbau stattfindet, die notwendigen Sicherheitsvor-kehrungen nicht getroffen werden usw.), mag die Vervollkommnung derGewinnung dazu beigetragen haben, genug: die Mineralien und Kohlensind bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mit gleichem, vielleicht sogarmit steigendem, jedenfalls nicht mit sinkendem Ertrage gewonnenworden. Den Beweis dafür erbringt — in ganz grober Weise — diePreisstatistik.