Achtzehntes Kapitel: Die Mobilisierung der Güterwelt 275
Die Konserven- und Präservenindustrie hat eine große Aus-dehnung gewonnen. In Deutschland gab es im Jahre 1914 etwa 2500 Be-triebe, die sich mit der Herstellung verschiedener Nahrungsmittelkonservenbeschäftigten. Nach dem Adreßbuch für die Konservenindustrie (1913), demobige Zahl entnommen ist, entfielen davon auf Gemüse-, Obst- und Pilz-konservenfabriken sowie Präservenfabriken (Herstellung von Dörrobstund Dörrgemüse) 290—300, Marmelade-, Gelee- usw. Fabriken 380—400,Essigkonserven, Sauerkraut- und Gurkeneinlegereien 400—430, Fisch-konservenfabriken, Fischräuchereien u. dgl. 640—700, Fleisch-, Wurst-usw. Konservenfabriken 200—250, Bouillonwürfel-, Suppenpräparate- undNährmittel-Industrie 125—140, Milch-, Butter-, Käse-, Eier- und Brot-konservierungsfabriken 80—85. Ygl. den Artikel „Konserven“ in Ull-manns Enzyklopädie der technischen Chemie, Band 7 (1919), und KurtWagner, Konserven und Konservenindustrie in Deutschland , 1907.
Die Erhaltung sowohl pflanzlicher wie tierischer Erzeugnisse ist sehrerleichtert worden durch die Entwicklung der Gefriertechnik.
Die Erzeugung künstlichen Eises durch Ammoniak ist 1860 durch denFranzosen Ferd. Carre erfunden, 1877 durch den Deutschen v. Lindevervollkommnet worden.
Die Gefriertechnik ist bedeutsam geworden für den Transport vonBlumen, Obst, Eiern, Seefischen, vor allem aber von Fleisch. Uber dieEntwicklung der Gefrierfleischindustrie ist folgendes zu bemerken. Dererste Versuch, Fleisch durch Gefrieren transportfähig zu machen, wurdeim Jahre 1861 unternommen, als der Engländer Thomas Mort in Sidneydie ersten Gefrierwerke gründete. Offenbar ist aus der Gründung nichtsLebensfähiges hervorgegangen, weil die Technik noch nicht genügendausgebildet war. Auch die Unternehmungen französischer Techniker undIndustrieller in den 1870 er Jahren in Argentinien scheitern. Einen Anfangder praktischen Verwirklichung des Planes macht erst die 1883 mit eng-lischem Kapital in Argentinien gegründete River Plate Fresh Meat Co.,die erste Gefrierfleischfabrik in Argentinien. Ihr folgen weitere Gründungenauf dem Fuße. Nach Ernst Wilhelm Schmidt, Die agrarische Export-wirtschaft Argentiniens. Probl. d. Weltwirtschaft 33 (1920), 275 ff.
Die Gefrierfleischindustrie hat dann rasch eine große Ausdehnunggewonnen. Bereits 1911 zählte man in U.S.A. 860 öffentliche Kühlhäusermit einem Anlagekapital von 300 Mill. Mk. und einem durchschnittlichenInhalt von 2—2,8 Milliarden Mk.; dazu Kühlwagen, Kühlwaggons, Kühl-schiffe usw. Annals Vol. 50 bei Hirsch im GdS. 5, 110.
In Argentinien gab es vor dem Kriege sieben große Schlacht- und Gefrier-häuser, in welchen 83750000 Fr. angelegt waren, und die einen Umsatzvon 273350000 Fr. hatten. Anales de la Sociedad Rural Argentina 1910.Zitiert bei E. Pfannenschmidt in den Sehr. d. V.f.S.-P., Bd. 141,1. Teil,S. 85.
In England bestanden um dieselbe Zeit in London 750000 Kubikfuß,in Hüll 680000 Kubikfuß Kühlräume.
Neuerdings tritt für die Verwertung der Rinder die Herstellung von
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