Achtzehntes Kapitel: Die Mobilisierung der Güterwelt
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Diese Arbeitsländer sind die eigentlichen Sitze des Hochkapitalismus,sind im wesentlichen die Länder Westeuropas und der Osten des Erd-teiles Nordamerikas . Wir werden noch sehen, wie sich in diesen Punktenwährend der letzten hundert Jahre eine ungeheure Menschenmasse an-gehäuft hat, aus deren Knochen der Kapitalismus sein Gebäude auf-zubauen vermochte. Damit diese stark übervölkerten Gebiete leben undarbeiten konnten, bedurfte r es aber jener großen Massen von Sach-kapital, die aus aller Herren Länder herbeigeschleppt werden mußten.Und das eben besorgten die modernen Verkehrsmittel.
Verfolgen wir ihre Wirkungen genauer, so beobachten wir, daß siees sind, denen
b) die Erschließung des neuen Siedlungslandes zu danken ist, dasder Kapitalismus in seinen Bereich, wie wir gesehen haben, ziehen mußte.Die Eisenbahnen schafften die Siedler in großen Massen in das Innereder Kontinente, sie versorgten diese Siedler mit den notwendigen Pro-duktionsmitteln, und sie schafften die Erzeugnisse dieser Siedler ausder Wildnis heraus, so daß sie die Märkte Philadelphias, Londons undBerlins füllen konnten.
Ebenso aber, wie die modernen Verkehrsmittel die Neubesiedlungder westlichen Erdteile erst ermöglicht haben, so bewirken sie
c) die Aufschließung der alten Kulturländer, aus denen, wie wir eben-falls feststellen konnten, der Kapitalismus sich beträchtliche Mengenvon Sachkapital herausgeholt hat. Nur in dem Maße, in dem die Eisen-bahnen in das Innere von Rußland , der Balkanstaaten, Ostindiens vor-drangen, wurden diese in den Stand gesetzt, ihre Erzeugnisse auf denwesteuropäischen Märkten zu verwerten. Und auch die zivilisiertenLänder Westeiuropas haben erst die großen Massen Agrarprodukteliefern können, seit ihnen die Vervollkommnung der Transportmittelden Übergang zur intensiven Wirtschaft ermöglichte. Siehe Belege beiAeroboe, Landw. Betriebslehre l 3 , 224ff.
Wir wollen nunmehr noch an einigen Ziffern zu ermessen trachten,welchen Umfang diese Versorgung der kapitalistisch-zentralen Ländermit den Bodenerzeugnissen der kapitalistisch-peripheren Länder imLaufe der letzten Menschenalter angenommen hat. Aus diesen Ziffernleuchtet in wundervoller Klarheit die überragende Bedeutung hervor,die die Verkehrsmittelumwälzung für die Ausgestaltung des Kapitalis-mus gehabt hat. Denn ohne diese Umwälzung — halten wir diesen Ge-danken immer fest! — wäre jene Güterbewegung, die dem Kapitalismusdie Lebenssäfte zuführte, nicht möglich gewesen.