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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

Charakters genossen, (2.) Nebenerwerb in gewerblicher Tätigkeit fanden,(3.) Gelegenheits-(Saison-) Arbeit in größeren Bauern- und Gutswirt-schaften verrichteten. Es ist nun das entscheidende Ereignis, daß seitdem Beginn des hochkapitalistischen Zeitalters diese Quellen, aus denendie Kleinen ihren Unterhalt bestritten hatten, sämtlich versiegen, unddaß damit die wirtschaftliche Existenz weiter Kreise der ländlichen Be-völkerung in ihren Grundlagen erschüttert wurde. Diese Entwicklungmüssen wir uns in ihrem Verlauf klarzumachen versuchen.

1. Die Wirkungen der Agrarreform

Wir haben gesehen (siehe das zweite Kapitel dieses Bandes), daßin allen Ländern gleicherweise die moderne Agrargesetzgebung dieHerausschälung der einzelnen Guts- und Bauernwirtschaften zumZiele hatte. Um dieses Ziel zu erreichen, mußten die alten Gemeinde-ländereien aufgeteilt, mußten die zahllosen Nutzungsrechte, die diekleinbäuerlichen Wirte an dem Besitze der Größeren gehabt hatten,beseitigt werden. Dies gilt, wie gesagt, für alle europäischen Länder.

Sicher in sehr verschiedener Stärke in den verschiedenen Ländern in den großgrundbesitzlichen Gebieten radikaler als in den klein-bäuerlichen, an den einzelnen Orten zu sehr unterschiedlichen Zeiteneinsetzend man braucht nur einen Blick auf die einschlägigen Agrar-gesetze der einzelnen Staaten zu werfen, ganz gewiß aber überallvon mehr oder weniger großem Einfluß auf die Proletarisierung derKleinbauern und ländlichen Arbeiter ist diese Auflösung des altenDorfverbandes denn er ist es doch im Grunde, den wir in jedemeinzelnen der erwähnten Anteil- oder Nutzungsrechte wiedererkennengewesen.

Das ist das übereinstimmende Urteil aller Sachkundigen, und esbildet eine ständige Abteilung in der einschlägigen Literatur, namentlichin der Zeit, als sich die ersten Wirkungen fühlbar machten. Es mögenhier einige der Gewährsmänner selbst zu Worte kommen:

1. Deutschland

Besonders lebendig ist die Schilderung, die uns Pastor Funke vonden Nachteilen entwirft, die die Markenteilung, wie er die agrarischeReformgesetzgebung zusammenfassend nennt, für die Heuerleute imFürstentum Osnabrück im Gefolge gehabt habe.Solange noch, heißtes,eine freie Benutzung der Strecken stattfand, nahmen die Heuer-leute an allen Vorteilen, welche dieselbe gewährte, teil. .. (Es) lebten . . .viele Heuerleute fast ganz aus der Mark. Das Vieh wurde in günstigenJahren schon im April in die Mark getrieben und ernährte sich selbst