Dreiundzwanzigstes Kapitel: Die freie Zuschußbevölkerung 333
bis gegen Martini. Nur das milcheVieh wurde noch etwas, oft auch nichteinmal im Stalle zugefüttert. Leicht konnten auf diese Weise Rinder zumVerkaufe und zu eigenem Bedarfe aufgezogen werden. Auch war mit ge-ringer Nachfütterung im Stall leicht ein Stück Vieh für den Haushalt oderauch für den Verkauf gemästet. Aus der Butter wurde ebenfalls mancherTaler gemacht. In Bruchgegenden (um Hunteburg , an der unteren Hase)wurden Gänse oft in großer Menge gehalten, 30, 40, ja 60 Taler wurdendaraus gemacht. . . Früher, so sprach noch vor kurzem ein Bewohnerdes hiesigen Kirchspiels, wußten wir es nicht anders, als daß die Heueraus den Gänsen gemacht werden mußte, wogegen wir j etzt gar keine mehrhalten können. . . Auch die Schweinezucht ist durch die Markenteilungbeeinträchtigt; .. . (sie) kann . . . gegenwärtig wohl dem Kolonen, dergroße eingefriedigte Räume besitzt, nicht aber dem Heuermanne, der dieSchweine das ganze Jahr im Stalle füttern muß, Vorteil bringen. Früherliefen die Schweine bei offenem Wetter, wenn das andere Vieh bereitszu Hause blieb, umher und suchten sich unter den großen, jetzt aber ver-schwindenden Eichbäumen.. . selbst im Winter zum großen Teil ihreNahrung. Große Schweineställe, deren Rudera an den Horsten und Brüchennoch jetzt als Denkmäler einer für die Schweinzucht günstigen Zeit hierund da gefunden werden, nahmen bei Nacht die zahlreichen Herden vonSchweinen auf, welche sich bei Tage ihre Nahrung suchten. Wie leichtkonnten damals Heuerleute nicht bloß Schweine zu eigenem Bedarf undzum Verkauf mästen, sondern sie auch selbst aufziehen, was jetzt gar nichtmehr oder nur in günstigen Verhältnissen geschehen kann .. . Aber nichtbloß an Weide, sondern auch an anderen Nutznießungen aus der Markhaben die Heuerleute bedeutend verloren. Der freie Plaggenhieb war fürdie Düngung von großem Werte; in Moorgegenden gab die Mark nicht bloßfreien Brand, sondern auch Gelegenheit, aus dem Torf etwas Geld zumachen . . . Auch die Holzungen brachten manche Vorteile. Sprickholzwurde zum Brennen gesucht und das Laub zur Düngung benutzt, undvon Eicheln und Buch ernährten sich oft noch im Winter die Schweine.“All’ diese Wohltaten, so klagt der Verfasser, sind nun dem Heuermannegenommen, während er von den unleugbaren Vorteilen, die mit der Auf-teilung der Marken verbunden waren, nichts besehen hat; „dabei (sind)die Heuerleute leer ausgegangen“. G. W. L. Funke, Über die gegen-wärtige Lage der Heuerleute im Fürstentum Osnabrück usw., 1847. (S. 33).
Für die Rheinprovinz wird in gleicher Weise zunächst festgestellt,daß insbesondere die Forstnutzungen, Streuwerk und Gras, „für die Tage-löhnerfamilien auf dem Lande von der höchsten Wichtigkeit (sind), indemdie letzteren nur durch Beihilfe von Futter und Streuwerk aus dem Waldeimstande sind, eine Kuh zu ernähren“. Großholz, Über den großen Nutzender Waldkultur usw. in der Zeitschrift des landwirtschaftlichen Vereinsfür Rheinpreußen, 1851, S. 257. Dann wird aber schonMitte des J ahrhundertsüber starke Beschränkung der Gemein- und Kommunalländereien, z. B.auf dem Hunsrück , geklagt und von den Einwohnern des Sieg-Kreisesberichtet, daß sie „einen wesentlichen, sehr drückenden Verlust. . . durch■das Aufhören der Waldmast“ erlitten haben. A. von Lengerke, Land-