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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

wirtschaftliche Skizzen von Rheinpreußen. 1853, S. 114.Hierdurchist, heißt es bei Lengerke a. a. 0. S. 74 weiter,zuerst die früher blühendeSchweinezucht zugrunde gerichtet.

Dasselbe Bild im Osten der preußischen Monarchie.

Aus Pommern wird berichtet: Die Lage der Häusler und Kolonistenist wesentlich verändert dadurch,daß die wenigen Kühe dieser kleinenWirte, die früher auf die Gemeindeweide getrieben wurden, nach aus-geführter Separation im Stalle gefüttert werden müssen.Im allgemeinen..ist diese Klasse der bäuerlichen Tagelöhner durch das Verschwinden derGemeindeweiden benachteiligt worden, indem ihnen die Vorteile des Aus-treibens einer Kuh verlustig gingen. A. Padberg, Die ländliche Ver-fassung in der Provinz Pommern, 1861, S. 139/140. Übrigens wurde dieserUmstand als eine der nachteiligen Folgen der Separation amtlicherseitshervorgehoben in dem Bericht, den der Geh. Oberfinanzrat von Viebahnauf der 20. Versammlung deutscher Land- und Forstwirte zu Braunschweig 1859 erstattete.

In Schlesien sind die Freigärtner und Häusler bei der Ablösungnach § 8 der G. T. 0. vom 7. Juni 1821 benachteiligt, desgleichen diekleineren Stelleubesitzer insbesondere durch den Landtagsabschied von1831, betreffend Aufhebung der Sichelgrubenberechtigungen, alle kleinenLeute auf dem Lande durch die Ablösung der Raff- und Leseholz-, derWaldstreuberechtigungen usw. J. C. F. Frenzei, Praktische Ratschläge(1849), S. 8ff.

Waren die Stellenbesitzer und Lohnarbeiter im Dorfe vor allem durchdie Aufteilung der Gemeindeweide und den Fortfall der Nutzungsrechte ge-schädigt worden, so hatte die Agrarreform doch auch viele klein-bäuer-liche Wirte in eine Notlage gebracht. Diese waren mit einer Ablösungs-summebelastet, deren AufbringungeineintensivereBewirtschaftung erheischthätte, als sie sie mit ihren beschränkten Mitteln durchzuführen imstandewaren. So wurden sie ebenfalls vielfach zur Aufgabe ihres Besitzes genötigt.

Allen diesen Nöten der Kleinen standen nun das gesteigerte Wollenund Können der Großen gegenüber. Die aufsteigende Konjunktur reiztezum Übergang zur intensiven Wirtschaft, vor allem zur Ausdehnung desGetreidebaues.

Die Wirtschaftsführung der Gutswirtschaften nimmt ein neuesGepräge an: der Grund und Boden verwandelt sich in einenRentenfonds, die Bedarfsdeckungswirtschaft geht in die Erwerbswirtschaft über. Wir ver-mögen das an dem häufigen Besitzwechsel zu erkennen. Nach einer Statistik,die Rodbertus mitteilt, betrug in den preußischen Provinzen Kur- undNeumark, Ostpreußen, Pommern, Schlesien , Sachsen und Westfalen dieZahl der

Rittergüter.11771.

Diese unterlagen in dem Zeiträume von 18351864

Vererbungen. 7903

freiwilligen Verkäufen . . . 14404

notwendigen Subhastationen 1347.