352
Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
die Personen, auf denen sie ihren umfassenden Betrieb aufgebaut hatten,im Verlauf der modernen Entwicklung entrückt, sie damit alsogegen ihren eigenen Willen außerstand gesetzt wurden, ihre alte Wirt-schaftsführung beizubehalten. Die Personen aber, die sich ihrer Macht-sphäre immer mehr entzogen, waren zunächst die Kinder der Bauernselbst, die bisher sich völlig in den Familienorganismus als dienendeGlieder eingefügt hatten, und dann die Gesindeleute, die als weitereHilfsorgane der Bauernfamilie angegliedert waren. Sie hielt es nichtmehr in der alten Gemeinschaft. Wir wissen schon, aus welchen Gründen.
Was aber in allen städtischen Haushalten die Weiterführung einerausgedehnten Eigenwirtschaft unmöglich machte, war die fortschreitendeVerringerung ihrer räumlichen Ausdehnung. Eine Bedingung haus-gewerblicher Eigenproduktion nach der andern verschwand: nach-einander der Garten, der Hof, der Stall, der Keller, der Boden, dieWaschküche, die Vorratskammer, die Speisekammer, der Herd. In einergroßstädtischen Mietwohnung ist einfach kein Raum mehr für irgend-welche erzeugerische Tätigkeit. Kaum, daß noch die halbfertig ein-gekauften Nahrungsmittel notdürftig genußreif gemacht und ein PaarLöcher gestopft werden können.
Über den fortschreitenden Verfall der alten Hauswirtschaft gibt unsdie Berufsstatistik einigen Aufschluß, sofern sie die „berufslosen An-gehörigen“ verzeichnet. Deren Verringerung läßt aber den Schluß aufAbnahme der hauswirtschaftlichen Beschäftigung zu.
Erwerbstätige Angehörige
1882 . 38,99 55,08
1895 . 40,12 53,15
1907 . 43,46 48,97
Männer:
1882 . 60,38 36,49
1895 . 61,03 34,83
1907 . 61,01 33,65
Frauen:
1882 . 18,46 72,94
1895 . 19,97 70,81
1907 . 26,38 63,89
Die Zahl der berufslosen Angehörigen von 14 Jahren und darüberweiblichen Geschlechts betrug in Deutschland :
1882 . 40,1%
1895 . 39,6%
1907 . 32,8%