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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Vierundzwanzigstes Kapitel

Die freie Uberschußbevölkerung

(Die Bevölkerungsvermehrung)

I. Übersicht

Die andere Quelle, aus der der Kapitalismus die Arbeitskräfteschöpfte, war, wie wir sahen, die Überschußbevölkerung, das heißtdie über die vorhandenen Unterhaltsstellen hinaus wachsende Be-völkerungsmenge, kurz: der natürliche Bevölkerungszuwachs.

Es ist nun das entscheidende Ereignis, daß diese Quelle währenddes 19. Jahrhunderts überreichlich geflossen ist. Noch niemals, seitMenschen auf der Erde leben, haben sie sich auch nur in annäherndgleichen Mengen vermehrt vie seit dem Beginn des hochkapitalistischenZeitalters.

Ich stelle zunächst die wichtigsten Ziffern zusammen und versuchedann, den Gründen der starken Bevölkerungsvermehrung auf die Spurzu kommen.

II. Statistik der Bevölkerungsvermehrung

1. Die Bevölkerung, die wir ins Auge zu fassen haben, ist zunächstdie Bevölkerung Europas .

Über die Zahl der Einwohner Europas vor dem 19. Jahrhundertbesitzen wir keine zuverlässigen statistischen Angaben. Die Schätzungender Fachmänner weichen nicht imerheblich voneinander ab.

Nach Sundbärg betrug die Bevölkerung im Jahre 1700 130 Mil-lionen, nach Süßmilch (1741) 150 Milhonen, nach andern Forschernum die Mitte des Jahrhunderts erst 127130 Milhonen. Die Schätzungenfür das Jahr 1800 schwanken zwischen 175 Millionen (W. F. Willcox,The Expansion of Europe in Population in Am. Economic Review,Dec. 1915) und 187 Millionen (Sundbärg).

Wir wohen das ungefähre Mittel dieser beiden Schätzungen an-nehmen und den Stand der Bevölkerung Europas im Jahre 1800 aufrund 180 Millionen ansetzen.