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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

Aus Österreich wanderten 1912 131227, aus Ungarn in demselben Jahre116239 Personen aus. Stat. Jahrbuch.

Für Rußland besteht, da die Auswanderung im Zarenreich verbotenwar, keine amtliche Auswanderungsstatistik. Wir sind auf die Angaben derEinwanderungsländer und der Durchwanderungsländer angewiesen. Inden Vereinigten Staaten von Amerika allein betrug die Zahl der einwandern-den Russen (Juden!) in den Jahren 18791890 höchstens 8850, 190285257, 1910 186792, 1913 291040. In diesem Jahre nahmen ihren Wegüber deutsche Häfen 208719 russische Auswanderer.

Die Zahl der Auswanderer aus den genannten Ländern Süd- undOsteuropas betrug im Jahre 1913 (1911, 1912) 1422118. Also drei Viertelsämtlicher europäischer Auswanderer stammen zuletzt aus Süd- undOsteuropa. Rechnen wir noch dazu die Auswanderung aus Groß-britannien und Irland, das heißt also im wesentlichen aus Irland ,diesem Lande mit den Sonderbedingungen, in Höhe von 467762, soergibt sich, daß fast die gesamte europäische Auswanderung kurz vordem Kriege aus Südeuropa, Osteuropa und Irland hervorging.

2. Die Binnenwanderungen

1. Unter Binnenwanderungen versteht man den Ortswechsel(Domizilwechsel) innerhalb der Grenzen eines Staates. Also wer vonLeitomischl nach Neiße umsiedelt, wandert aus; wer von Memel nachMetz in den guten Zeiten zog, wanderte binnen, heute wieder: aus.Es ergeben sich also sehr merkwürdige Tatbestände bei dieser begriff-lichen Unterscheidung. Aber unter volkswirtschaftlichem Gesichts-punkt (diesen ernst genommen) hat der Gegensatz zwischen Aus- undBinnenwanderung doch seine weittragende Bedeutung, maßen dieStrukturveränderung eines volkswirtschaftlichen Organismus natur-gemäß grundverschieden in dem einen und in dem anderen Falle ist.

Man wird füglich Umschichtungen der Bevölkerung eines Landesinnerhalb der einzelnen Landesteile und solche zwischen dem plattenLande und den Städten unterscheiden.

2. Eine Verschiebung der Bevölkerung zwischen den einzelnenLandesteilen ist während der hochkapitalistischen Periode in weitemI mfange derart erfolgt-, daß Gebiete mit rein landwirtschaftlichem Ge-präge ihre Bevölkerung an die industriellen Gebiete abgegeben haben.Es wird genügen, wenn wir diesen Vorgang, der wohl ein allgemein-europäischer ist, in demjenigen Lande verfolgen, in dem er sich viel-leicht am deutlichsten und schärfsten vollzogen hat: Deutschland .

Nach der letzten Berufszählung (1907) betrug innerhalb der Grenzen