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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Fünfundzwanzigstes Kapitel: Die örtliche Anpassung

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Seit langem beschäftigt Großbritannien fremde Arbeiter. Und zwar inden meisten Berufen: im Bergbau, in der Konfektionsindustrie (LondonerEast-End mit seinen Juden und Slaven!), im Handelsgewerbe (deutsche Clerks!), im Gastwirtsgewerbe (deutsche Kellner!) u. a. Selbst in derHandelsmarine steigt die Zahl der Fremden beständig an: von 1890 bis1904 beispielshalber sank die Zahl der beschäftigten Briten von 186147auf 176975, während die Zahl der beschäftigten Fremden weißer Abstam-mung von 27227 auf 39832 stieg, das heißt von 14,6 auf 22,5%. Berichtder 1904 eingesetzten australischen Schiffahrtskommission bei M. Schippelin der Beilage zu Nr. 41 der Neuen Zeit XXV, 2, 56.

Ebenso wie in Großbritannien sind in Frankreich (und der Schweiz) die immer wiederkehrenden Beschwerden der Arbeiterkongresse über dielästige Konkurrenz der fremden Arbeitskräfte Zeugnis genug für derenVerbreitung in den genannten Ländern. In Frankreich (und der Schweiz) sind es vor allem Italiener, die hereingezogen werden. Von 1000 in derSchweiz beschäftigten, gewerblichen Arbeitern waren Ausländer (nach derBetriebszählung von 1905) zwischen 146 (Metall- und Maschinenindustrie)und 556 (Baugewerbe). Vgl. J. Landmann, Kapitalexport, 77. Uber diein Frankreich überhaupt lebenden Fremden unterrichtet uns die Statistikwie folgt; es gab deren:

1851 . 379289

1881 . 1000454

1911 . 1132696

Man schätzt, daß davon 60% in der Industrie beschäftigt waren. Statistiquegenerale de la France. Vgl. Marcel Paon, 1. c. pag. 172f.

Gut sind wir auch über die Verhältnisse in Deutschland unterrichtet,über das deshalb, aber auch weil es vielleicht das in dieser Beziehunginteressanteste Land ist, noch einige Mitteilungen gemacht werden mögen.

Die Zahl der in Deutschland bei Gelegenheit der Volkszählungen er-

mittelten Ausländer betrug insgesamt:

1900 . 778737

1905 . 1028560

1910 . 1259880

Davon stammten aus:

Österreich . 634989

den Niederlanden .... 144181

Rußland. 137668

Italien . 104265

der Schweiz . 68 233

Ungarn . 32087

Diese 1% Millionen sind nun natürlich nicht alle Lohnarbeiter. Wirwerden sicher die Viertelmillion abrechnen können, um deren Zahl zu er-mitteln. Auf der andern Seite stellt diese Million keineswegs die einzigeTruppe dar, die die Reihen der einheimischen Lohnarbeiter auszuweitenberufen ist. Vielmehr müssen wir auch diejenigen fremden Arbeitskräftein Anschlag bringen, die vorübergehend in Deutschland Arbeit ver-richten. Das sind wohl diejenigen Personen, die von der Deutschen Arbeiter-