Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
Seite
398
Einzelbild herunterladen
 

398

Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

zentrale zur Einwanderung legitimiert werden. Das waren aber nach demBericht dieser Anstalt im Geschäftsjahre 1912/13 im ganzen 767000. DerenZusammensetzung war folgende:

283000 Polen aus Rußland76000 Österreich

91000 Ruthenen aus Österreich 60000 Deutsche

20000 Rußland

Der größere Teil dieses Fremdvolkes wurde von der Landwirtschaftbeansprucht, die bekanntlich ihren intensiven Saisonbetrieh auf den großenGütern nur durch den Zuzug fremder Wanderarbeiter aufrechterhaltenkonnte. Die Zahl der von der deutschen Arbeiterzentrale ausgestelltenLegitimationskarten für landwirtschaftliche Arbeiter betrug:

1911/1912 . 397 364

1912/1913.411706

Dazu sind noch diejenigen Fremden zu zählen, die in der Landwirt-schaft tätig waren, aber dauernd ihren Wohnsitz in Deutschland hatten,jedenfalls am Tage der Volkszählung (1. Dezember), wenn die landwirt-schaftlichen Wanderarbeiter bereits abgezogen sind, sich in Deutschland aufhielten: es waren im Jahre 1910 158404. Also rund 570000 fremde(östliche) Arbeitskräfte besorgten die Arbeit in der kapitalistischen Land-wirtschaft Deutschlands .

Da am 12. Juni 1907 in den Betrieben mit 100 ha und mehr Fläche,also in den Gutsbetrieben, 833912 Personen ständig beschäftigt waren(siehe Statistik d. D. R. Band 212, 2, 61), so machten die fremden Arbeiterüber die Hälfte der ständigen (unter denen auch noch fremde gewesen seinwerden) aus.

In der Industrie waren im Jahre 1910 am Tage der Volkszählung384317 fremde Arbeiter beschäftigt; davon entfielen auf:

Bergbau, Hütten- und Salinenwesen. 72650

Baugewerbe. 67 600

Textilindustrie. 52 693

Bekleidungsgewerbe. 38455

Industrie der Steine und Erden. 35173

Metallindustrie. 25772

Industrie der Nahrungs- und Genußmittel . . . 21447

Maschinenindustrie. 17 905

Industrie der Holz- und Schnitzstoffe. 15821

Will man ins Gefühl bekommen, welche Bedeutung der fremde Arbeitervor dem Kriege für die deutsche Industrie hatte, so muß man etwa dieBerichte der Gewerbeaufsichtsbeamten lesen. Man findet dann kaum eineIndustrie, die, namentlich in den Zeiten der Hochkonjunktur, nicht dieReihen ihrer Lohnarbeiter mit fremdem Arbeitermaterial aufgefüllt hätte.

Zu berücksichtigen bleibt noch, daß die westliche Industrie ihrenArbeiterbedarf vielfach aus den agrarischen Gebieten des Deutschen Reichesgedeckt hat, wodurch die Polonifizierung z. B. des rheinisch-westfälischen