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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
Ausfuhr aus der Stadt arbeitet. Diese Ziffer ist dann die städtebildendeQuote des einzelnen Gewerbes. Genau läßt sich diese Quote naturgemäßnur mit Hilfe einer weitgespannten Enquete ermitteln. Aber eine annäherndrichtige Vorstellung von dem Anteile der Ausfuhrindustrie an der ge-samten gewerblichen Tätigkeit läßt sich doch schon durch eine genauePrüfung des in der Berufszählung vorliegenden Ziffernmaterials gewinnen.Ich habe eine solche Prüfung in der Weise vorgenommen, daß ich zunächsteinmal die unzweifelhaft örtlichen Bestandteile eines Gewerbes aus derGesamtziffer des Gewerbes ausschied und für den Rest den Anteil derAusfuhrindustrie schätzte, immer zugunsten dieser entscheidend, so daßdie für die Größe der Ausfuhrindustrie gewonnenen Ziffern als Höchst-beträge angesehen werden müssen. Den Stoff für diese Untersuchungbieten die Zusammenstellungen in Band 211 der Statistik des DeutschenReichs, S. 126ff. und 240ff. Das Ergebnis ist folgendes: (Siehe S. 413).
Also: von den 54,3%, die alle gewerblichen Produzenten von der er-werbstätigen Bevölkerung Berlins (rund 1 Million) ausmachen, gehört höch-stens die Hälfte — 25,8% — zu den Städtebildnern. Angesichts dieserTatsache Berlin eine „Industriestadt“ zu nennen, ist höchst lächerlich.
Mindestens den gleichen, wenn nicht einen höheren Anteil an derBildung der Großstädte nehmen Handel und Verkehr, zumal wennman dazu die Kreditgeschäfte rechnet. Daß die Hauptstädte derSitz der Hochfinanz sind und es immer mehr werden, ist für derenBestand von erheblich größerer Bedeutung als edle ihre gewerblicheProduktion. Ziffern zum Belege hierfür lassen sich schwer anführen(obwohl es meines Erachtens nicht ausgeschlossen ist, mit Hilfe derEinkommens- und Berufsstatistik zu ihnen zu gelangen). Wir stehenaber einerseits vor der Tatsache des immer mehr sich ausweitendenKreditverkehrs, für die ich in früheren Kapiteln hinreichende Belegebeigebracht habe; andrerseits vor der ebenso unbestreitbaren Tatsache,daß sich dieser Kreditverkehr immer mehr in den Hauptstädten derLänder zusammenballt. So lehrt uns beispielsweise die Statistik, daßin zehn deutschen Großstädten (im statistischen Sinne) im Jahre 1858im Geld- und Kredithandel 741 Personen, davon in Berlin 244 Personen,im Jahre 1907 dagegen 21835 Personen, wovon 16943 in Berlin, be-schäftigt waren. Damals betrug der Anteil Berlins 32,9 %, 1907 betruger 77,6%: siehe meine „Deutsche Volkswirtschaft“.
Die bisher betrachteten Quellen des großstädtischen Unterhaltssind (im kapitalistischen Sinne) produktiver Natur. Das heißt: derUnterhalt fließt aus den Arbeitslöhnen und dem Kapitalprofit kapita-listischer Unternehmungen, die in der Großstadt ihren Sitz haben.Zu diesen auf dem Wege der Produktion gewonnenen Mitteln zurStädtebildung treten nun aber in ganz erheblichem Umfange Anrechte