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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

auf Güterbezüge von auswärts, die auf andere Weise als durch pro-duktive Tätigkeit in der Großstadt selber erworben sind. Und insoweitdiese Anrechte zur Städtebildung beitragen, kann man sagen, daß dieGroßstadt Konsumtionsstadt ist. Solche Anrechte stammen:

(1.) aus Kapitalprofit, der in auswärtigen Unternehmungen gewonnenist. Und das ist sicher ein großer und immer wachsender Betrag;

(2.) aus Gehältern und Pensionen staatlicher und städtischer Beamter,die eine um so größere Summe ausmachen, je mehr sich die Landes-verwaltung in den Hauptstädten zusammenballt und diese zugleichvon den Pensionären aufgesncht werden;

(3.) aus den Einkommen der Fremden, die die Großstadt aufsuchen.Dieser Posten spielt in mancher der Hauptstädte eine sehr große Rolle:allen voran in Paris, wohin sich die Reichen aus aller Herren Länderzurückziehen, in geringerem Maße auch in einer Stadt wie Berlin, in dem aber (1911) immerhin 1348835 Fremde einkehrten (Stat. Jahr-buch deutscher Städte).

Alles in allem ist es ein buntes Bild, das die Großstädte darbieten,die, wie ich oben sagte, ihre Eigenart aus der Vielgliedrigkeit ihrerBildner ziehen.

b. Die Existenzbedingungen der Städte:Der Zug nach der Stadt

Überblicken wir die ökonomischen Existenzbedingungender Städte im allgemeinen und der modernen Städte, zumal derGroßstädte, im besonderen, so werden wir sachliche und persönlicheExistenzbedingungen unterscheiden können. Unter den sachlichenExistenzbedingungen steht an erster Stelle die Ermöglichung desUnterhalts wachsender städtischer Bevölkerungsmassen, also das ent-sprechende Wachstum eines zu freier Verfügung stehenden Überschuß-erzeugnisses der Landwirtschaft. Ein solches aber ist auf zwei Wegenherbeigeschafft worden:

(1.) durch die zunehmende Ergiebigkeit der land-wirtschaftlichen Produktion, wie wir sie im vorigen Ab-schnitt als eines der wichtigsten Ergebnisse modern-kapitalistischerEntwicklung kennengelernt haben; diese zunehmende Ergiebigkeit istentweder das Ergebnis gesteigerter Produktivität der landwirtschaft-lichen Arbeit oder eines Mehraufwands von Kapital; dieses in Form vonProduktionsmitteln, deren Herstellung abermals eine städtische Beschäf-tigung geworden ist. Intensive Steigerung des Überschußproduktes;