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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
listless or restive habits, they either renounce the employment sponta-neously or are dismissed by the overlookers on account of inattention“(15/16).
Aber wenn sie nun auch in das Joch der Fabrik oder irgendeinesanderen Großbetriebes, etwa eines Warenhauses, eingespannt waren,so verrichteten diese urwüchsigen Menschen ihre Arbeit doch noch ganzund gar nicht mit dem kapitalistischen Ethos, das von ihnen erheischtwurde. Sie verharrten im Schlendrian, im Traditionalismus. Bemerktwird in allen Arbeitern der Frühzeit auch noch der hochkapitalistischenEpoche der völlige Mangel an Fähigkeit und Willigkeit, überkommene,einmal erlernte Arten des Arbeitens zugunsten anderer, praktischereraufzugeben, sich neuen Arbeitsformen anzupassen, zu lernen und denVerstand zu konzentrieren oder nur überhaupt zu brauchen. Auseinander-setzungen über die Möglichkeit, sich die Arbeit leichter, vor allem ein-träglicher zu machen, pflegten bei ihnen auf völliges Unverständniszu stoßen usw. Max Weber hat auf diese Züge bei deutschen Arbei-terinnen hingewiesen. Sie sind aber ein gemeinsames Kennzeichen allerArbeiter, die sich in den Anfängen dem Kapitalismus zur Verfügungstellten.
Vor allem — das ist die durchgängige Klage der Unternehmer —hat der Arbeiter, worauf ich schon früher hingewiesen habe, als ichden frühkapitalistischen Lohnarbeiter schilderte, gar keinen Erwerbs-sinn. Es gehört zu den dümmsten Ansichten im Bestände unsererherrschenden Lehrmeinung, den „Erwerbstrieb“ als einen Urtrieb derMenschen anzusehen. Das Gegenteil ist richtig. Der natürliche Menschdenkt gar nicht daran, Geld und möglichst viel Geld zu verdienen. Erwill nicht erwerben, um des Erwerbes willen, sondern will gerade so vielerwerben, um davon in gewohnter Weise leben zu können. Er willnicht einmal „immer besser leben“. Hat er im Lohnverhältnis diesenBetrag erreicht, so denkt er nicht daran, weiter zu arbeiten, sonderner hört einfach zu arbeiten auf: das ist die Erfahrung, die alle Unter-nehmer, zu ihrem nicht geringen Leidwesen, bei der Beschäftigungunerzogener Arbeiter gemacht haben, die sie heute noch machen inallen Gegenden, in denen der Geist des Kapitalismus die Masse nochnicht erfaßt hat. Der gemeine Mann ist seiner Natur nach Lazzarone,herzerquickend faul, und weiß noch nichts von jenem „industriouslife“, das heute auch der Proletarier führt. Begreiflicherweise aberbedeutet dieser Mangel an Erwerbssinn eine schwere Not für denkapitalistischen Unternehmer. Denn er hindert den Arbeiter, extensiv