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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
II. Die Umstellung des Arbeitsprozesses
Das Problem der technischen Anpassung des Arbeiters an die Be-dürfnisse des Kapitalismus ist damit noch nicht erschöpft, daß derArbeiter mit kapitalistischem Geiste erfüllt wird. Er muß doch auch dieArbeit verrichten können, die ihmzu bewältigen obhegt. Rein technisch.Und da ergeben sich neue Schwierigkeiten noch umfassenderer Art.
Die Schwierigkeiten waren besonders groß, wo es sich um hochwertigeArbeit und somit um ausgebildete, sog. „gelernte“ Arbeiter handelte.Ich habe ausführlich über die Schwierigkeiten berichtet, die demKapitalismus in seiner Erühzeit aus diesem Mangel an gelerntenArbeitern erwuchsen. (Siehe das 54. Kapitel IV des 1. Bandes.) Da-mals, sahen wir, behalfen sich die Unternehmer, indem sie sich dieArbeitskräfte in Person herbeiholten, und diesen Ausweg beschrittensie auch noch bis tief in die hochkapitalistische Periode hinein. Abermit der Ausbreitung des Kapitalismus wurde dieses Verfahren immerweniger anwendbar. Was sollte man tun, wenn die „gelernten“ Arbeiteran Ort und Stelle gebraucht wurden? Sollten die Millionen Arbeits-kräfte, die der industrielle und kommerzielle Kapitalismus in sichhereinschlang, alle zu der technischen Leistungsfähigkeit emporgehobenwerden, die der Handwerksmeister alten Stiles besaß ? Unmöglich.Nicht nur, daß diese Ausbildung zu lange gedauert hätte: sie war auchaus ökonomischen Gründen nicht denkbar. Wie hätte ein Volk diegroße Masse seiner arbeitenden Bevölkerung mit einer technischen Aus-bildung ausstatten sollen, die ein halbes Jahrzehnt und länger dieArbeitskraft brach legte ? Hier mußte von Grund aus Wandel geschaffenwerden, indem man den gesamten Arbeitsprozeß umgestaltete undwenigstens die meisten der einzelnen Arbeitsverrichtungen dem Ver-mögen der großen Masse anpaßte. Man vollzog also den Akt der An-passung in der Weise, daß man die Funktion veränderte und damitdie Möglichkeit ausweitete, sie auszuüben. Kam der Berg nicht zumPropheten, so mußte eben der Prophet zum Berge kommen.
Diese Umgestaltung des Arbeitsprozesses bestand aber ihrem Wesennach in einer Auflösung der früheren vielgliedrigen Arbeitin ihre einzelnen Bestandteile. Was früher Einheit gewesen war, wurdejetzt Vielheit: es gab keine „Mechaniker“arbeit mehr, sondern nurnoch Schraubendrehen, Fräsen, Nieten usw., keine Schusterarbeit mehr,sondern nur noch Sohlen schneiden, Schäfte steppen, Hacken polierenusw., keine Kaufmannsarbeit mehr, sondern nur noch Buchführen,Lagerhalten, Verkaufen usw.