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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Sechsundzwanzigstes Kapitel: Die technische Anpassung

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Ich verfolge den für alle Kulturentwicklung entscheidend wichtigenVorgang der Zertrümmerung alter, beseelter Vollarbeit einstweilen nur inseinen Auswirkungen auf die Arbeiterschaft, das heißt, insoweit als da-durch die Arbeitsleistung sich verändert und andere Anforderungen anden Arbeiter gestellt, somit andere Auslesegrundsätze geschaffen werden.Später wird seine innere Wesenheit noch genauer zu bestimmen undwird seine Bedeutung für den Aufbau des vergeisteten Betriebes zuwürdigen sein. Die hier zunächst folgenden Ausführungen sind also durchdie spätere Darstellung in der Betriebslehre zu ergänzen: siehe nament-lich das 53. Kapitel.

Durch diesen Truc der Zerlegung ursprünglich komplexer Arbeits-verrichtungen erreichte man vor allem eins: man machte die Arbeitzum größten Teile zu einer kunstlosen Arbeit, die jedes Kind ver-richten konnte oder zu der jedes Bauernmädchen in kurzer Zeitan-gelernt werden konnte. Die Höhenlage der Arbeit war der Leistungs-fähigkeit der großen Masse angepaßt.

Aus der Zerschlagung der alten komplexen Arbeitsweise ergibtsich eine unübersehbare Fülle von Teilverrichtungen, die ihren An-forderungen an die Leistungsfähigkeit des Arbeiters nach eine Skalavon Kunstfertigkeiten darstellen: von den höchstwertigen und schwie-rigsten Arbeiten bis zu den allergewöhnlichsten und einfachsten Ar-beiten. Man hat die Arbeiter, die ein hohes Maß von Kunstfertigkeitbesitzen, qualifizierte Arbeiter und, weil sie eine längere Lehrzeitbrauchen, um die ihnen eigene Kunstfertigkeit zu erlernen, ge-lernte Arbeiter genannt und ihnen die gewöhnlichen Handarbeiter,Handlanger oder ungelernten Arbeiter entgegengesetzt. Zwischendiesen beiden äußersten Gegensätzen liegen dann zahlreiche Ab-stufungen der Kunstfertigkeit, deren Träger man alsangelernteArbeiter bezeichnet. hat. Will man einen grundsätzlichen (nichtnur einen gradweisen) Unterschied zwischen gelernten und angelerntenArbeitern machen, so kann es nur der sein, daß der gelernte Arbeitereine komplexe, vielgliedrige Arbeit nach Art der alten Handwerks-arbeit versteht, eine Arbeit, die ihre Einheit durch ihre Beziehungauf die arbeitende Persönlichkeit empfängt, während der angelernteArbeiter nur eine Teilverrichtung, eine Spezialarbeit auszuüben ver-mag, eine Arbeit, die unter rein sach-rationalem Gesichtspunkte ab-gegrenzt ist.

In der Maschinenindustrie z. B. rechnet Bernet (a. a. 0. Seite 17)zu den gelernten Berufen Gießer, Schmiede, Maschinenschlosser, Werkzeug-schlosser, Dreher, Modellschreiner, Monteure; dagegen zu den angelerntenHobler, Bohrer, Stanzer, Fräser, Schleifer, Wickler.