Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
Seite
437
Einzelbild herunterladen
 

StX'hsuiHlizwaiiaigstes Kapitel: Die technische Anpassung 437

hörigen Zettel so schnell me möglich herauszusuchen. Dafür geeignete 4 t -heiterinmen bewegen die Zettel so schnell, daß ein Danebenstehender über-haupt keine einzige Zahl lesen kann, und trotzdem zeigt sich, daß kaumein Fehler auf 10000 Zettel vorkommt. Eine zweite Operation verlangtaber, daß von den Zetteln, sobald sie geordnet sind, die Zahl so schnellwie möglich auf eine Addiermaschine übertragen wird, deren Tasten wiedie dimer Schreib maschine arbeiten, und mm ergibt sich, daß die Mäd-chen, die bei dem Sortieren die schnellsten, zuverlässigsten und fehler-freiesten (ä) sind, für die schnelle Übertragung auf die Tasten der Maschineoft gänzlich unbrauchbar sind.

Oder;Ich habe in Amerika ... die Verhältnisse einer Fabrik studiert,im der nmr eine einzige Maschine hergestellt wird. Diese Maschine bestehtaus S50 Teilen, die aus den verschiedensten Materialien gearbeitet werdenmüssen. Fast jeder dieser Teile verlangt verschiedene Bearbeitungsprozesae,so daß sicherlich mehr als ein halbes Tausend verschiedenartiger Arbeitenim denn einen Fabrikkomplex verrichtet werden, und jede setzt, wenn auchviele von ungelernten Arbeitern erledigt werden können, doch zur gutenDurchführung besondere psychophysische Eigenschaften voraus . .

Für solcherartBerufe kann die Eignung aller dings mittels ex-perimenteller Methoden festgestellt werden. Für solche Berufe gibt esTests. Und darüber hinaus auch noch für Maschinenschreiben, Tele-phonieren. Straßenbahnfahren und ähnliches. Aber dann halt! Sobaldes sieh bei einer Tätigkeit um irgend etwas Lebendiges, irgend etwasSeelisches, ja selbst nur um etwas Alleibliehes handelt, versagt derpsychotechnische Apparat. Es wäre lächerlich, einenTest für dieArbeit eines Handwerkers alten Stils oder selbst nur für einen Pferde-knecht oder einen Krämer aufs teilen zu wollen.

Für dem großen Umkreis von Tätigkeiten aber, der der Entseelungamheimgefallen ist, hat diewissenschaftliche Berufeberatung ihrenguten Sinn, und es zeugt von einem erstaunlichen Maße von Tradi-tlomalisrmns, dar dem Hochkapitalismus so wenig amsteht, und für denich wi rklich keime Erklärung weiß, außer eben den Traditionalismus,daß nicht schon ein paar Menschenalter früher diese Gedanken auf-getawsht sind und damit der experimentellen Psychologie, die so ganzmnmtz- nnd zieJlos in der Welt herumzmirren schien, eine ihrer würdigeAufgabe gestellt worden ist.

Der Begriff der Berufsberatung deckt sieb nicht völlig mit dem derexperimentellem Eignungsprüfung. Die Berufsberatung kann sich auchamdeser Verfahren als der Eignungsprüfung, wie namentlich der Be-obaditfiiiigsbogem, bedienen, mittels deren sie imstande zu sein glaubt,mA seelische Ganzheiten und ihre Beziehungen zu echten Berufen fest-sttefaa za kSumen. Das mag in manchen Fällen zutreffen. Aber dann wird