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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
rate schwankt (in 1913/14) zwischen 0,75 (Feinmechanik) und 5,73 (Schlacht-hausarbeiter). „Unnötig“, das heißt freiwillig von diesen Wechseln warennach der Berechnung unserer Autoren im Jahre 1913/14 70%.
Nicht ganz so häufig wie in den Vereinigten Staaten , aber doch nochhäufig genug ist der Arbeiterwechsel in den europäischen Staaten, z. B.Deutschland. Für dieses gewähren uns die genannten UntersuchungenR. Ehrenbergs, F. Syrups, Gerh. Krügers wertvolle Aufschlüsse.
In der Glasindustrie fand Ehrenberg als
Untergrenze der Mobilität. 20—25%
Obergrenze „ „ . 100%
Durchschnittlichen Ab- und Zugang . . 50%.
Nach Syrup betrug der jährliche Abgang für 100 Mann:
1906 1907
Hüttenindustrie. 91 86
Metallindustrie. 86 88
Maschinenindustrie. 98 103
Chemische Industrie .... 158 182
Textilindustrie. 53 55
Die Gründe des häufigen Wechsels sind zahlreich. Doch kehrt einGrundmotiv immer wieder:
Es hat den Anschein, als ob der moderne Arbeiter die Qual seinerArbeit dadurch erleichtern wollte, daß er die Stelle häufig wechselt:wie sich der Fieberkranke im Bette von einer Seite auf die andere wälzt.
Diese Annahme wird bestätigt durch die Beobachtung, daß die Neigungzum Wechsel der Arbeitsstelle in dem Maße zunimmt, in dem die Arbeitlästiger wird. Namentlich in den gesundheitsschädlichen Betrieben be-gegnen wir einem besonders häufigen Wechsel: wir sahen schon, daß diechemische Industrie eine zwei- bis dreimal so hohe Wechselrate aufweistals andere Industrien. Die Mobilität steigert sich noch in ausgesprochengesundheitsschädlichen Betrieben; sie betrug (1909) in den Thomas-schlackenmühlen 362%, in den Bleiweißfabriken 284%; a. a. O. S. 270.Allerdings muß in Rücksicht gezogen werden, daß in diesen Betrieben die„Ungelernten“ überwiegen, und daß diese eine stärkere Neigung zumWechseln haben als die „Gelernten“.
Es gehören also gewiß mächtige Anreize dazu, dieser dem Proletariatinnewohnende Neigung zum Wechseln seines Arbeitsplatzes zum Trotze,ihn an eine Unternehmung zu fesseln. Die Erfahrung lehrt, daß es inzahlreichen Fällen in der Tat gelingt, den Arbeiter seßhaft zu machen:Ansiedelung ist einer der gangbarsten Wege, das Ziel zu erreichen.Unterstützungskassen sind ein arideres Mittel, den Arbeiter zum Bleibenzu bewegen. Und allerhand Imponderabilien tun das übrige, um diegewünschte Wirkung herbeizuführen.