Sechsundzwanzigstes Kapitel: Die technische Anpassung
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Am fortgeschrittensten ist die Lehrorganisation im Metallgewerbe.So werden in den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustriellerals Lehrlinge ausgebildet: Mechaniker, Optiker, Maschinenbauer,Werkzeugmacher, Schlosser, Dreher, Kesselschmiede, Kupferschmiede,Hammerschmiede, Walzer, Drahtzieher, Gürtler, Drücker, Gelbgießer,Former, Kernmacher für Metallguß, Elektroinstallateure, Gas- undWasserinstallateure, Klempner, ’ Graveure, Ziseleure, Galvaniseure,Stechzeugschleifer, Universal- und Rundschleifer, Glasbläser. Ein Teildieser „Berufe“ gehört aber wohl zu den „angelernten“. Aber nicht nurdie Metallindustrie, sondern ebenso) wenn auch mit Abstand, die Holz-industrie, das Druckgewerbe, neuerdings auch der Bergbau haben an-gefangen, sich um die Lehrlingsausbildung zu kümmern. Einzelheiteninteressieren hier nicht. Wer sich über sie unterrichten will, sei auf dietüchtige Fachliteratur verwiesen.
Für Deutschland zählt Gertrud Tollkühn a. a. 0. im Anhang auf:133 Betriebe (darunter 93 Werkstätten unter der Reichsbahn) mit psycho-technischer Eignungsprüfung, 175 Betriebe (darunter 108 der Reichsbahn)mit Lehrwerkstätten und 158 (74 w. o.) mit Werkschulen. Wenn es sichdabei auch meist um ganz große Betriebe handelt, so bezeugen dieseZahlen einstweilen doch erst eine sehr unvollkommene Entwicklung derFabriklehre.
Endlich sei noch das Augenmerk gelenkt auf die Bestrebungen zahl-reicher Unternehmer, sich einen Stamm tüchtiger Arbeiter zu erhalten.Diesem Zwecke dient ein wohlausgedachtes System von Vergünstigungen,die solchen Arbeitern zuteil werden, die längere Zeit im Dienste bleiben.Die Regel bildet ja das längere Verweilen des Arbeiters an einer undderselben Arbeitsstelle nicht. Die Ziffern, in denen der Stellenwechselzum Ausdruck kommt, sind ganz erstaunlich hohe.
Die umfangreichste und beste Bearbeitung des Problems des Stellen-wechsels in den kapitalistischen Industrien besitzen wir in dem Buchevon P. F. Brissenden und Emil Frankel, das sich auf das reicheMaterial der amtlichen Statistik der Vereinigten Staaten stützt. Danachbetrug beispielsweise für das Jahr 1913—1914 in 84 Werken
die Zahl der Vollarbeiter. 244814
„ „ ,, Zugänge .. 227008
„ „ „ Abgänge. 243707
,, „ ,, Wechsel. 470715.
Auf jeden Arbeiter entfielen also im Durchschnitt 1,92 Wechselfälle. DieseZahl steigt in Jahren der Hochkonjunktur, wie 1917/18, bis auf 4,08.In diesem Jahre wechselte also die gesamte Arbeiterschaft zweimal. Dieeinzelnen Gewerbe sind an diesem Kommen und Gehen in verschiedenhohem Grade beteiligt. Auch darüber berichten unsere Autoren. Die Wechsel-