Siebenundzwanzigstes Kapitel: Dis ökonomische Anpassung 453
Baumwoll-
Fabriken
Woll-
Fabriken
Kamgarn-
Fabriken
Flachs- undLeinen-industrie
Seiden-
industrie
Textil-
industrie
überhaupt
1847
1875
18298
66900
7415
8588
7337
29828
2029
12678
7804
42983
117994
Die erste Zahlenreihe nach Ure, 481; die zweite nach den AufstellungenRedgraves, des Hauptinspektors der Fabriken in den 1880er Jahren.Zit. bei Max Schippel, Das moderne Elend (1883), 44.
Seitdem geht die Zahl zurück. Schon als v. Schulze-Gävernitzseinen „Großbetrieb“ schrieb (Anfang der 1890er Jahre) konnte er beieinem Vergleich mit Ures Ziffern feststellen, daß in einer gleichgroßenBaumwollspinnerei zu Ures Zeiten von 653 Arbeitern 444, das sind 68,3%Kinder, zu seiner Zeit jedoch von 163 Arbeitern nur 83, das sind 50,9%„Kinder und jugendliche Arbeiter“ beschäftigt waren. Siehe,Großbetrieb“(1892), S. 124.
Am Schlüsse der hochkapitalistischen Epoche war die Kinderarbeitin den meisten zivilisierten Ländern, dank vor allem der sich verschärfendenArbeiterschutzgesetzgebung, aber zum Teil auch aus andern, später nochzu erörternden Gründen, bis auf kleine Reste verschwunden.
Der Anteil der erwerbstätigen Kinder unter 14 Jahren betrug bei derdeutschen Berufszählung in der Industrie bei den Lohnarbeitern (c ohne cl[= mithelfenden Familienmitgliedern] Personen) 0,7% bei den Jungens,0,8% bei den Mädchen, während für die „Jugendlichen“ im 14.—16. Jahredie entsprechenden Ziffern 6,7 und 9,9% waren.
In den Vereinigten Staaten von Amerika ist das Anteilsverhältnis derkindlichen und jugendlichen Arbeitskräfte noch geringer: Kinder unter15 Jahren waren in der Industrie im Jahre 1880 noch 6,7% beschäftigt,dagegen 1909 Kinder unter 16 Jahren nur noch 2,4%. Die höchste Zifferweist die Baumwollindustrie auf. Aber auch hier geht die Kinderarbeitzurück: der Anteil der Kinder unter 16 Jahren betrug 1899 13,3%, 1909dagegen nur noch 10,4% (Zensus).
Zweifellos hat die Beschäftigung billiger, kindlicher Arbeitskräftedem Kapitalismus, namentlich in seiner Frühzeit, große Vorteile ge-währt. Er hätte sonst nicht so verzweifelt gegen jede Beschränkungder Kinderarbeit gekämpft. Aber wir haben auch genug Zeugnisse, diedie Vorteile der Kinderarbeit ziffernmäßig nachweisen.
Ure teilt auf Seite 307 eine Lohntabelle mit, aus der wir ersehen können,welche lächerlich niedrigen Lohnsätze man in der guten alten Zeit Kindernzahlte, für deren Arbeitstag wohlgemerkt noch keine Beschränkung bestand,und die, wie alle übrigen Arbeiter, ihre 14 oder 16 Stunden in der Fabriktätig sein mußten.
Der durchschnittliche Wochenlohn (!) in der Baumwollindustrie inManchester betrug in den 1830er Jahren: