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Dritter Abschnitt: Der Absatz
schrieb, deutlich erkennen: seine Reichen, an deren Unterkonsumtion derKapitalismus scheitern soll, sind die Seigneurs alten Stils, die ihren Bedarfmit Vorliebe im Auslande decken, und zwar vermittels Handarbeit: sielehnen die Fabrikware ab, sie wollen keinen Maschinentüll, sondern Hand-Spitzen. Die Kaufkraft der Lohnarbeiter verringert sich aber beständig,da ihre Menge abnimmt und zudem „tout progres tend . . ä reduire l’aisancede ceux qui n’ont pour vivre que leur travail“. N. Pr. L. III. ch. 8.
Rodbertus, der dann ein bedeutender Verfechter der Unterkonsum-tionstheorie wurde, legt den Schwerpunkt seiner Beweisführung auf dieungenügende Entlohnung der Arbeiter. Er nimmt das „eherne Lohn-gesetz“ als erwiesen an, wonach der Arbeitslohn auf dem Existenzminimumfestgehalten werde, das er in einer gegebenen Menge von Sachgütern ver-körpert sieht. Da diese festgegebene Sachgütermenge bei einer Zunahmeder gesellschaftlichen Produktivität einen immer kleineren Wertbetrag dar-stellt, so macht sie auch von dem Gesamtwertbetrag eine immer kleinereQuote aus. Der Mehrwert schwillt deshalb immer mehr an und kann vonseinen Beziehern nicht mehr verzehrt werden, so daß ein immer größererBetrag akkumuliert, die Produktion also immer mehr ausgedehnt wird,während die Konsumkraft sinkt.
Am interessantesten ist die Begründung der pessimistischen Auf-fassung von der Lebensfähigkeit der kapitalistischen Wirtschaft bei Marx .Sie hängt mit seiner allgemeinen Lehre von der Reproduktion des Kapitalszusammen, von der wir schon früher einzelne Bestandteile kennengelernthaben und die wir hier im ganzen uns vergegenwärtigen müssen.
Marx betrachtet es als eine seiner wichtigsten wissenschaftlichen Ent-deckungen, daß er den Irrtum des Adam Smith erkannt habe, der dasgesamte Jahresprodukt in Arbeitslöhne, Kapitalzins und Grundrente auf-löste: Smith habe übersehen, daß daneben ein Sachkapital erzeugt werde,das sich nicht in jene drei Bestandteile auflösen lasse. Sein Fehler bestehedarin, „daß er den jährlichen Produktenwert gleichsetzt dem jährlichenWertprodukt. Das letztere ist nur Produkt der Arbeit des vergangenenJahres; der erstere schließt außerdem alle Wertelemente ein, die zur Her-stellung des Jahresproduktes verbraucht, aber im vorhergehenden undzum Teil in noch früher verflossenen Jahren produziert wurden: Produk-tionsmittel, deren Wert nur wieder erscheint, die, was ihren Wert betrifft,weder produziert noch reproduziert worden sind durch während des letztenJahres verausgabte Arbeit“. Kürzer: Smith vergißt, „daß das Wertproduktkleiner ist als der Produktenwert“. Dies die Hauptstelle: „Kapital“ 2,370 f. Doch zieht sich der Gedankengang wie ein roter Faden durch dasganze Marxsche System.
Und nun weiter in unbegreiflicher Verblendung:
Also teilt sich auch der akkumulierte Mehrwert, das neu anzulegendeKapital, in c (den zu reproduzierenden Teil des aus der früheren Produktions-periode überkommenden Sachkapitalbetrags) und v (die für lebendige Zu-satzarbeit zu verausgabende Summe). Nun ist es aber eine Tendenz der(technisch fortschreitenden) kapitalistischen Wirtschaft, daß der Sach-mittelapparat im Vergleich zu der lebendigen Arbeit, die ihn in Bewegung