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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Achtundzwanzigstes Kapitel: Zur theoretischen Besinnung

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setzt, immer größer wird, also auch c rascher wächst als v. Somit fällt auchdie Nachfrage nach Arbeit.Da die Nachfrage nach Arbeit nicht durchden Umfang des Gesamtkapitals, sondern durch den seines variablen Be-standteils (v) bestimmt wird, fällt sie also progressiv mit dem Wachstumdes Gesamtkapitals . . . Sie fällt relativ zur Größe des Gesamtkapitals undin beschleunigter Progression mit dem Wachstum dieser Größe. Mit demWachstum des Gesamtkapitals wächst auch sein variabler Bestandteil oderdie ihm einverleibte Arbeitskraft, aber in beständig abnehmender Propor-tion.Kapital l 4 ,593. Ygl. auch die oben Seite 312 ff. angeführten Stellen.

Was hier von dieser Lehre in Betracht kommt, ist der Schluß: daßinfolge dieser Abnahme von v die Kaufkraft der Lohnarbeiterschaft, diedurch v (den Lohnfonds) gebildet wird, nicht in gleichem Maße sich ver-größert wie die Produktion steigt; daß also die Lohnarbeiter immer wenigerin den Stand gesetzt sind, die Warenmengen, die sie erzeugt haben, zu-rückzukaufen. Marx drückt das dann so aus, daß er sagt: die modernenProduktivkräfte wachsen den Formen des kapitalistischen Warenaus-tausches über den Kopf. Und an dieseminneren Widerspruch läßt erdie kapitalistische Wirtschaft zugrunde gehen.

3. Stellen wir die Frage so: Ob zunehmende Akkumulation desKapitals notwendig zur Unterkonsumtion und damit Überproduktionfuhren müsse, so haben die Klassiker mit ihrer verneinenden Antwortzweifellos recht, die Sozialisten also unrecht. Und es ist nur derTrübung des Blickes durch Willensimpulse zuzuschreiben, wenn sokluge Männer wie die genannten, diesen einfachen Tatbestand nichterfassen konnten, daß in der Tat jede Mehrproduktion auch undgerade im kapitalistischen Nexus Mehrnachfrage bedeutet.

Wie sehr die Verblendung der Katastrophentheoretiker allein schuldan der ungeheuerlichen Reproduktionstheorie Marxens und vieler Marxistenist, zeigt das Beispiel der Rosa Luxemburg , die alle diese Streitpunkteauf die äußerste Spitze getrieben hat.Es ist klar, schreibt sie, wenn mandie schrankenlose Akkumulation des Kapitals annimmt, man auch dieschrankenlose Lebensfähigkeit des Kapitals bewiesen hat. . . Ist die kapita-listische Produktionsweise imstande, schrankenlos die Steigerung der Pro-duktivkräfte, den ökonomischen Fortschritt zu sichern, dann ist sie un-überwindlich.Der wichtigste objektive Pfeiler der wissenschaftlichensozialistischen Theorie bricht dann zusammen, die politische Aktion desSozialismus, der Ideengehalt des proletarischen Klassenkampfes hört auf,ein Reflex ökonomischer Vorgänge, der Sozialismus hört auf, eine histo-rische Notwendigkeit zu sein. Die Beweisführung, die von der Möglichkeitdes Kapitalismus ausging, landet bei der Unmöglichkeit des Sozialismus;a. a. 0. Seite 296. Also: der Kapitalismus muß aninneren, das heißtökonomischen Widersprüchen zugrunde gehen; die Theorie hat die Aufgabe,diese festzustellen. Man beachte übrigens die a.mselig materialistisch-naturalistische Begründung des Sozialismus! Wenn der Verbrecher physio-logisch gesund ist, ist er kein Verbrecher mehr!