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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Dritter Abschnitt: Der Absatz

Lande wie auswärts finden lassen. Wir.können sie vom Standpunktdes Kapitalismus aus als exogene Nachfrage bezeichnen und sie deraus den Reihen des Kapitalismus selbst hervorgehenden endogenenNachfrage gegenüberstellen. Wollen wir hier schon den Begriff desMarktes verwenden, der dann in der äußerlichen Bedeutung als Absatz-gebiet zu fassen wäre, so können wir einen innern und einen äußernMarkt im kapitalistischen Sinne unterscheiden, indem wir uns gegen-wärtig halten, daß diese Unterscheidung keine räumliche, sondern einesachliche ist: der innere Markt kann auch im Auslande, der äußereauch im Inlande liegen.

Es ist nun gewiß eine richtig beobachtete Tatsache, daß der Ka-pitalismus in seiner Hochepoche sich mit allen Kräften die Ausweitungdes äußeren Marktes hat angelegen sein lassen. Und die Marxisten, vorallem die Luxemburg, haben viel wertvolles Material beigebracht,um dieses Streben des Kapitalismus nach Erweiterung seines äußerenMarktes ersichtlich zu machen. Die Ausdehnung kann auf zwei ver-schiedene Weisen erfolgen: durch Absatz von Konsumgütern über denBedarf der Arbeiter und Kapitalisten hinaus: das ist der Fall bei derenglischen Baumwollindustrie, die an das Bauern- und Kleinbürgertumder ganzen Erde ihre Erzeugnisse abgesetzt hat. Oder die Ausdehnungerfolgt durch Lieferung von Produktionsmitteln: der Fall der Eisen-industrie, die in den Kolonialländern die Eisenbahnen gebaut hat oderder deutschen chemischen Industrie, die ein Fünftel ihrer Produktionan künstlichem Indigo an Länder wie China, Japan oder Britisch-indien absetzt. Man muß das nur nicht als eine notwendige Maß-nahme, die aus dem Wesen der Kapitalakkumulation folgt, ansehenund meinen:das Schema der erweiterten Reproduktion (weist) inallen seinen Beziehungen über sich selbst hinaus auf Verhältnisse, dieaußerhalb der kapitalistischen Produktion und Akkumulation liegen;die Realisierung des Mehrwertes fordere als erste Bedingung einenKreis von Abnehmern außerhalb der kapitalistischen Gesellschaft;der Mehrwert könne weder durch Arbeiter noch durch Kapitalistenrealisiert werden, sondern nur durch Gesellschaftsschichten oder Gesell-schaften, die selbst nicht kapitalistisch produzieren (Luxemburg,a. a. 0. S. 322 u. ö.). Das eben ist falsch, wie wir gesehen haben: geradedas Schema der erweiterten Reproduktion weist nicht auf den äußerenMarkt hin, wohl aber war es ein lebhaftes Interesse des Kapitalismus,das in empirischen Zufälligkeiten begründet war, die exogene Nach-frage nach Möglichkeit zu vermehren. Gleichzeitig entwickelte sich,