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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Neunundzwanzigstes Kapitel: Die exogene Nachfrage

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im Jahre 1913/14 £ 175661668 und machte 18% der gesamten von derEinkommensteuer erfaßten Einkommenssumme (£ 951040487) aus.

Dazu kommt die Haute Finance (Hochfinanz), die ebenfalls alssolche nichts mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem zu tun hat,wenn wir darunter Agioteure, Spekulanten, Publikaner verstehen.Derart Leute hat es längst gegeben, ehe es Kapitalismus gab, und gibtes, wo es diesen nicht gibt. Ihr Einkommen ist kein Kapitalprofitund kann, braucht aber nicht aus diesem zu stammen. Die Nachfrage,die sie mit ihrem Einkommen schaffen, ist also für den Kapitalismusebenfalls exogenen Ursprungs.

Daß sich heutzutage die Hochfinanz vielfach in Personalunion mitdem kapitalistischen Unternehmertum befindet und ihr Vermögen zumgroßen Teil Kapitalform angenommen hat, so daß ihr Einkommenaus diesem als Kapitalprofit erscheint, ändert nichts an der Tatsache,daß ihr spezifisches Einkommen aus Agiotage, Spekulation undPublikanenWirtschaft kein kapitalistisches Einkommen ist.

Bestes Mittel, sich die beiden genannten Gruppen als exogene Nach-frage vorzustellen: man kann sie wegdenken, ohne die kapitalistischeWirtschaft zu gefährden.

2. Die andere Gruppe außerkapitalistischer Abnehmer, die von jehereinen wesentlichen Teil der Nachfrage nach kapitalistischen Erzeugnissengebildet haben, sind die öffentlichen Körper.

Sie erlangen Kaufkraft, wie bekannt, durch Erhebung von Steuernund Aufnahme von Anleihen.

Der Vorgang, der sich dabei abspielt, wenn die öffentlichen Körperin einer der beiden Richtungen sich betätigt haben und daraufhin,nach Vereinnahmung der Steuer- und Anleihebeträge, als Käufer aufdem Markte erscheinen, ist dieser: sie haben (wenigstens vorübergehend)die Kapitalakkumulation pro tanto verhindert und damit die endogeneNachfrage in eine exogene verwandelt. Statt daß im Wege der Ak-kumulation die entsprechenden Beträge den Lohnarbeitern zugeflossenwären, sind sie in die Hände der Staats- und Gemeindeverwaltungengelangt und erscheinen nun in der Form von Beamtengehältern alsNachfrage nach Konsumtionsmitteln, in der Gestalt von Bestellungenauf Kriegsbedarf, Schiffe, Bauten usw. als Nachfrage nach Produktions-mitteln ohne (das ist das Entscheidende) mit dem Nachfrageaktegleichzeitig (wie im andern Falle) einen Produktionsakt zu verbinden.Dadurch wirken sie offenbar laxierend auf die kapitalistische Wirt-

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