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Dritter Abschnitt: Der Absatz
3. Seit seinen Anfängen hatte der Kapitalismus sich eifrig darumbemüht, seine Erzeugnisse bei den außereuropäischen Völkerschaften,nennen wir sie die Exoten, unterzubringen. Ich habe ausführlich imersten und zweiten Bande geschildert, welcher zum Teil recht gewaltsamenMittel er sich bediente, um den Naturvölkern sowohl als den Völkernfremder Zivilisation, also den Afrikanern und Altamerikanern undAsiaten, die oft gar nicht begehrten europäischen Schundwaren auf-zudrängen; wie es ihm aber gelang, den Absatz in jene Länder beträcht-lich auszuweiten. Mit dem Eintritt in das Zeitalter des Hochkapitalismushörten jene Bemühungen nicht auf und blieben weitere Erfolge nichtaus. Es kam vor allem die Lieferung von Produktionsmitteln hinzu.
Die Methoden waren auch im 19. Jahrhundert teilweise noch rechtbrutale. Das Schulbeispiel rücksichtslosen, ja grausamen Vorgehensim Interesse des kapitalistischen Ausfuhrlandes ist das bekannte Ver-halten Englands gegenüber der ostindischen Textilindustrie. Diesestand bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts in hoher Blüte und führteselbst ihre kostbaren Erzeugnisse nach Europa aus. Den Schund derenglischen Baumwollindustrie bedurfte Indien nicht und wollte ihnnicht. Aber Indien sollte ein Markt für die englischen „Cotton goods“werden, zumal als seit den europäischen Kriegen England mit ihnenüberfüllt zu werden anfing. Da setzte man eine Untersuchungskommissionein, die die Frage prüfen sollte: wie den englischen Baumwollwarenein Absatzgebiet in Indien eröffnet werden könne. Die Kommissionkam zu dem Ergebnis: um das erstrebte Ziel zu erreichen, muß die ost-indische Textilindustrie zerstört werden. Die Regierung machte sichdie Ansicht der Kommission zu eigen, und nun beginnt ein Verwüstungs-feldzug gegen die verhaßte Rivalin: durch Zoll- und Steuermaßregelngelingt es, sie zur Strecke zur bringen. Die indischen Weber verhungerten.„Das Elend findet kaum eine Parallele in der Geschichte des Handels.Die Knochen der Baumwollweber bleichen die Ebene von Indien.“So schreibt der Generalgouverneur in einem Bericht aus dem Jahre1834/35, den Marx Kapital“ 1 4 , 397) anführt. Aber das Ziel warerreicht: der englische Kattun füllte die Lücke aus, die die dahin-siechende einheimische Industrie ließ: die Ausfuhr englischer Baumwoll-gewebe nach Ostindien stieg von Jahr zu Jahr: ihr Anteil an der Gesamt-ausfuhr aus Großbritannien betrug:
1820 .... 6% 1840 .... 18%
.1830 .... 13% 1850 .... 25%