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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Dritter Abschnitt: Der Absatz

Bäcker backen ließ), selber schlachtete, selber Kartoffeln, Gemüse undObst vom eigenen Grund und Boden erntete, selber Geflügel im Hühner-hof hatte, die Milch von eigenen Kühen und Ziegen gewann und sieselber zu Butter und Käse verarbeitete und alle diese selbstgewonnenenErzeugnisse, wenn sie nicht sofort verzehrt wurden, in den Zustand derUnverderblichkeit oder Dauerhaftigkeit überführte, das heißt ein-kochte, einmachte, einpökelte usw. Mit der Auflösung der Hauswirt-schaft mußten alle diese Dinge auf dem Markte gekauft werden, so daßsich die gewerbsmäßige Erzeugung von Nahrungs- und Genußmittelnimmer mehr ausdehnte. In Deutschland beispielsweise waren in denNahrungs- und Genußmittelgewerben 1882 3,5%, 1907 schon 4%aller hauptberuflich Erwerbstätigen beschäftigt. Das sind nun zwarin weitem Umfange noch handwerkerliche Produzenten. Aber diekapitalistische Produktion macht doch auch auf diesem Gebiete Fort-schritte. In einem Neulande wie den Vereinigten Staaten von Amerika werden die Nahrungs- und Genußmittelgewerbe schon heute in wachsen-dem Umfange großindustriell betrieben. Die Zahl der nicht handwerks-mäßig in ihnen beschäftigten Lohnarbeiter betrug 1914 496234, 1919schon 684672 Personen; auf einen Betrieb entfielen in den beidenZensusjahren 8,4 und 11,2 Personen, so daß die Betriebsgröße um 33,3 %in dem kurzen Zeiträume von fünf Jahren gewachsen ist.

Dazu kommt, daß der Nahrungsbedarf in zunehmendem Maße, wiewir noch genauer verfolgen werden, außer dem Hause befriedigt wird:in Restaurants, Hotels, Einküchenhäusern usw., so daß selbst in einemLande wie Deutschland die Zahl der im Gast- und Schankgewerbe be-schäftigten Personen in den Jahren 18821907 von 1,5 auf 2,3 vomHundert aller Erwerbstätigen steigen konnte. Dadurch wird aberwiederum gerade für die Produktion auf kapitalistischer Grundlageein neues Absatzfeld eröffnet. Dasselbe gilt für die Belieferung derHotels, die ebenfalls immer zahlreicher werden in dem Maße, wie dasReisen zunimmt.

Auch die Kleidung wurde, wie wir wissen, ehedem zu einem sehrbeträchtlichen Teile im Hause hergestellt und wird jetzt fast völligauf dem Markte gekauft. Die Erzeugung ist aber auf dem Gebiete derKleidung in noch viel stärkerem Umfange als auf dem der Nahrung,dem Kapitalismus anheimgefallen. Das gilt vor allem für die Herstellungder Rohstoffe in der Textilindustrie, die heute durchgehends groß-industriell betrieben wird, aber doch immer mehr auch für die Eertig-industrie des Bekleidungsgewerbes: Wirkerei, Wäscheanfertigung,