Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
Seite
510
Einzelbild herunterladen
 

510

Dritter Abschnitt: Der Absatz

Zahlreiche Fabriken in England und Frankreich wurden veranlaßt,Dampfpflüge zu liefern: bei Fowler liefen auf einmal Bestellungen in Höhevon 7 y 2 Millionen Mark ein, so daß er seine Fabrik erweitern mußte; fernerPumpen und Lokomobilen für die Anlagen der Bewässerungsarbeiten;endlich die Bestandteile für die Ginfabriken: eine kleine Ginfabrik mußteauf jedem großen Gute errichtet werden, und Dutzende von Engländern,Franzosen, Italienern und Griechen errichteten größere Anlagen dieserArt in den Städten des Deltas. M. Eydt, Lebendige Kräfte (1905),21 Off., 218f.

Die Landwirtschaft bedurfte ferner der künstlichen Dünger,wodurch ein wichtiger Zweig des Bergbaues (Kali) und der chemischenGroßindustrie zur Entwicklung gebracht wurde. Im Jahre 1910 er-zeugte Deutschland an Kalisalzen für 90364733 Mark, an Düngesalzenfür 28035965 Mark; es führte (1913) aus an Thomasphosphatmehl für29185000 Mark, an Superphosphaten für 21409000 Mark usw.

Um die zum Teil in weiter Ferne erzeugten landwirtschaftlichenProdukte herbeizuschaffen, bedurfte es aber einer Ausweitung derTransportmöglichkeiten. Da setzen die großen Erfindungen desDampfschiffes, des Eisen- und Stahlschiffes, der Eisenbahn ein.

Und nun strömte von den neuen Transportmitteln wiederum eingewaltiger Nachfragestrom aus: zurück in den Bereich der Landwirt-schaft, genauer der Forstwirtschaft und vorwärts in den Bereich derIndustrie.

Die Eisenbahnen brauchten in großem Umfange Holz für ihrenBau. Man rechnet, daß ein europäischer Großstaat allein für das Aus-wechseln der Bahnschwellen jährlich % 1 Million Bäume benötigt.So daß Holz, das, wie wir sahen, von dem sich ausweitenden Bergbau,dazu nach der Erfindung des Holzschliff- und Zelluloseverfahrens inimmer größeren Mengen von der Papierindustrie und in noch größerenMengen vom Baugewerbe gebraucht wurde, wieder ein stark nach-gefragtes Gut war. Ich habe an anderer Stelle die Ziffern des inter-nationalen Holzhandels mitgeteilt: siehe oben Seite 264.

Aber noch viel größer war infolge der Umgestaltung des Verkehrs-wesens die Nachfrage nach Eisen. Schon in den Jahren 18461848berechnete man, daß die auf dem inneren Markte Englands durch dieEisenbahnen geschaffene Nachfrage zwei Drittel der gesamten aus-ländischen Nachfrage nach britischen Erzeugnissen gleichkam. Neuer-dings hat man für die Vereinigten Staaten von Amerika festgestellt,daß 2530% der gesamten Eisen- und Stahlproduktion von den Eisen-bahnen auf genommen werden. (The Stabilization of Business, 117 f.) Daß