524 Erster Abschnitt: Die Elemente des wirtschaftlichen Prozesses
II. Die Entstellungsgründe des Bedarfs
Die Entstehungsarteu weisen die formale, die Entstellungsgründedie inhaltliche Bedingtheit der Bedarfsgestaltung auf.
Folgende Entstehungsgründe lassen sich unterscheiden:
1. Die Produktionbestimmtden Bedarf; das be-deutet folgendes:
a) Der Umfang der Produktion bestimmt den Umfang des Bedarfs:je mehr Güter erzeugt werden, desto mehr werden bedurft.
b) Die Art der Produktion bestimmt der Bedarf: je nach der Techniksind die bedurften Güter verschieden. Das leuchtet ohne weiteres einbei dem Bedarf an Produktionsmitteln: erst mit dem Aufkommen desVerbrennungsmotors entsteht ein Bedarf an Verbrennungsstoffen, erstnach Erfindung des Luftschiffes ein Bedarf an Aluminium, erst nachErfindung des Automobils ein Bedarf an Gummireifen usw. Aber auchfür letzte Konsumtionsgüter trifft es zu: die veränderte Technik hatden Bedarf an Spinnrädern, an Wassereimern, an Pökelfässern ver-schwinden lassen.
c) Die Art der erzeugten Güter bestimmt der Bedarf; hierher ge-hören alle Fälle der exogenen Bedarfsgestaltung. Billige, reizvolle,neue Güter wecken Bedürfnisse und erzeugen Bedarf. Der Bedarf anTabak, anMotorrädern, an Radioapparaten ist natürlich erst entstanden,nachdem diese Güter erzeugt waren.
So kommt es, daß jede Produktionsverschiebung mit einer Bedarfs-verschiebung verbunden zu sein pflegt. Das Aufkommen von „Ersatz-gütern“ wandelt die Bedarfsgestaltung. Welch völlig verändertes Bildbot unsere Bedarfsgestaltung während des Krieges dar, gewiß nur,weil bestimmte Güter nicht mehr erzeugt wurden und andere die Lückeausfüllen mußten.
2. Die Verteilung bestimmt den Bedarf: ist diesegleichmäßig, so werden gleichartige Güter durchschnittlicher Güte(Mittelgut) bedurft werden, ist sie ungleichmäßig, das heißt: gibt eswenige Reiche neben vielen Armen, so entsteht ein Bedarf an Luxus-gütem einerseits, an Schundwaren andererseits.
Aber auch die Eigenart der Einkommensempfänger übt Einflußauf die Bedarfsgestaltung aus: ob diese Fürsten oder Bürger oder Pro-leten sind; ob ihr Geschmack kultiviert oder roh, differenziert oderuniform, ihre Nachfrage stetig oder wechselnd ist.
Unter welchen Umständen ein einheitlicher Massenbedarf entsteht,werde ich weiter unten noch angeben.