Einunddreißigstes Kapitel: Die Elemente der Bedarfsbildung 523
Verzehrs jener Produkte in eine gewohnheitsmäßige Form voraussetzt.„Ethik“ (1916), 363 ff.
Für alle Bedürfnisse, die aus „Trieben“ entstehen, trifft das zu.Aber schon die individuellen Bedürfnisse gehen nicht nur aus Trieben,sondern auch aus rationalen Erwägungen hervor. In diesem Falle kannsowohl das Bedürfnis, als der Bedarf, als auch das zu ihrer Befriedigungdienende Gut vorgestellt werden. Das gilt in gesteigertem Maßefür allen Bedarf an Produktionsmitteln; zweifellos ist das „Bedürfnis“nach einer Spinnmaschine früher dagewesen als diese selbst. Ich habedas Nötige über das Verhältnis zwischen Bedarf und Erfindung imsiebenten Kapitel bemerkt.
2. Die Entstehung des Bedarfs ist entweder autonom oderheteronom.
Autonome Bedarfsgestaltung liegt vor, wenn eine bedürftige Personihren Bedarf nach Menge und Art selbst bestimmt; heteronome Bedarfs-gestaltung findet dagegen in allen denjenigen Fällen statt, in denen einanderer für eine Person den Bedarf bestimmt: bei Kindern, Soldaten,Gefangenen, aber auch dann, wenn etwa der Produzent uns Güter einerbestimmten Art aufdrängt (oktroyiert).
3. Die Bedarfsgestaltung in ihrem Ausmaß und in ihrer Zusammen-setzung ist entweder rational oder irrational (zum Unter-schied von der oben erwähnten Entstehung eines Bedürfnisses ausTrieben oder aus Verstandeserwägungen).
Rational nennen wir einen Bedarf, wenn er nach Quantum und Quali-tät „zweckmäßig“ gestaltet ist. Die Zweckmäßigkeit kann eine nur sub-jektive sein, wenn die Bedarfsgestaltung planmäßig erfolgt (rationa-listisch); oder sie ist eine objektive. Das trifft dann zu, wenn sie einemirgendwelchen objektiven Zwecke entspricht (rationell ist): z. B. denAnforderungen der Hygiene, der Ökonomität, des Geschmackes ge-mäß ist.
Irrational ist die Bedarfsgestaltung im entgegengesetzten Falle:objektiv irrational, wenn sie jenen Anforderungen zuwiderläuft, sub-jektiv irrational, wenn sie durch Tradition, Nachahmung oder Launebestimmt wird.
Subjektive Rationalität kann mit objektiver Irrationalität ver-bunden sein; ein Haushalt kann auf peinlichster Ordnung und Plan-mäßigkeit beruhen, und doch kann die Bedarfsgestaltung allen An-forderungen objektiver Zweckmäßigkeit zuwiderlaufen.