Einunddreissigstes Kapitel
Die Elemente der Bedarfsbildung
Bedarf — im Sinne von Güterbedarf — ist entweder der Inbegriffder Bestrebungen zur Beschaffung dinglicher Befriedigungsmittel oderder Inbegriff dieser dinglichen Befriedigungsmittel selbst, auf die sichunser Streben richtet.
I. Die Entstehungsarten des Bedarf s
Wir unterscheiden drei Gegensatzpaare:
1. Endogen oder exogen ist der Bedarf, je nachdem dasBedürfnis den Bedarf oder dieser jenes erzeugt.
Es wird wohl die Ansicht vertreten, daß aller Bedarf exogenenUrsprungs sei: so von Max Scheie r.
Sehelers Theorie der Bedürfnisse ist diese: Bedürfnis im Unterschiedzu einer bloßen Triebregung (Hunger) ist das (Unlust-) Gefühl am Nicht-Dasein eines Gutes festbestimmter Art oder eines qualitativ festumschrie-benen „Ermangelns“ eines solchen Gutes und auf dieses eigenartige Er-leben des „Ermangelns“ aufgebaut: das Streben nach einem solchen Gute.Zwar muß nun dabei das positive „Was“ des mangelnden Gutes nicht vor-gesteckt und erdacht sein. Aber
1. muß der spezifisch positive Wert, der die Einheit der Güter, nachdenen ein Bedürfnis vorliegt, ausmacht, bereits im Fühlen vorgegebensein, damit es zu jenem Ermangelungserlebnis kommen kann;
2. muß die Triebregung (auf der jedes Bedürfnis beruht) eine irgendwiewiederkehrende sein; wonach uns einmal im Leben gelüstet, istkein Bedürfnis;
3. muß die Triebbewegung oder besser: das auf ihr aufgebaute „Ver-langen nach“ schon in irgendeiner Form gestillt worden sein undgleichzeitig jene Stillung gewohnheitsmäßig geworden sein, wennes zu einem „Bedürfnis“ kommen soll.
Im Unterschiede von naturgegebenen „Trieben“ sind alle „Bedürf-nisse“ historisch und psychologisch geworden. Es gibt keine angeborenenBedürfnisse. Aus „Bedürfnissen “ kann man also nicht Erfindungen undEntdeckungen erklären, nur umgekehrt jene aus diesen. Die Erzeugungneuer Güter kann niemals durch die Triebkraft eines Bedürfnisses erklärtwerden, da vielmehr die Tatsache, daß sie zu Bedürfnissen werden konnten,Überall diese Produktion und ihre Gefühlsquellen und den Übergang des