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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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558 Zweiter Abschnitt: Die Beweguugsformen des wirtschaftlichen Prozesses

die Freihandelsleute undManchestermänner in Aussicht gestellthaben. Wie die Einrichtung des Pferderennens zur Hebung der Pferde-zucht beiträgt, so hat diefreie Konkurrenz zur Hebung des Wirt-schaftslebens beigetragen, indem sie die einzelne Wirtschaft ansporntezu höheren Leistungen: Verbilligung oder Verbesserung der zu lieferndenWare durch Vervollkommnung der Technik oder der Organisation.

Hätte die elektrische Glühlampe nicht das gewöhnliche Gaslicht zuverdrängen gedroht, so wäre man jedenfalls nicht so schnell zum Gasglüh-licht, zum Auerbrenner gelangt; und wäre dadurch nicht die Gasbeleuch-tung gegenüber der elektrischen Beleuchtung so außerordentlich verbilligtworden, so wären wir heute vielleicht noch nicht im Besitze der modernen,elektrischen Metallfadenlampe, die den älteren Lampen gegenüber wenigerals die Hälfte des Stromes verbrauchen. Der scharfe Wettbewerb führteweiterhin dazu, daß eine Reihe von Lampen auftauchten, die den anfangsbei der Metallfadenlampe vorhandenen Übelstand beseitigten, daß derFaden leicht durch Erschütterung zerstört wurde. G. v. Hanffstengel,Technisches Denken und Schaffen 2 (1920), 175.

Nur soll man die Wirkung derfreien Koukurrenz nicht über-schätzen. Sie ist immer nur ein Faktor von nebensächlicher Bedeutungfür den Kapitalismus gewesen. Dieser hatte genug eigene Triebkraftim Leibe, um auch ohne das Reizmittel der freien Konkurrenz zumZiele zu kommen.

Daß auch beimfreien Wettbewerb allerhand Kniffe angewendetworden sind, um eine Leistung vorzuspiegeln, die nicht da war, verstehtsich von selbst. Bei Wettkämpfen in der Arena ist es nicht anders.Und mancher Wettlauf ist gewiß ein Wettlauf zwischen dem Hasenund dem Swinegel gewesen. Soweit dies ins Moralische abführt, gehtes uns hier nichts an. Das Streben, auch mit geringeren Leistungenobzusiegen, hat aber auch sehr wichtige wirtschaftliche Folgen ge-habt. Ihm ist die Entwicklung zum Surrogat, der wir noch unsereAufmerksamkeit werden schenken müssen, ebenso wie zum Schund-und Ramschgeschäft zum guten Teil zu danken: man verkaufte minder-wertige oder fehlerhafte oder untergewichtige und darum billigereWare. Und der souveräne Preisrichter, das p. t. Publikum, merkte esnicht, merkte nicht, daß die Garnrolle darum statt 10 Pfennige nur8 kostete, weil sie statt 1000 nur 800 Yards enthielt usf.

Immer bleibt bei der Leistungskonkurrenz die Fiktion aufrecht-erhalten, daß das Publikum, sachkundig und unbeeinflußt, allein be-stimmt, wer Sieger im Wettbewerb auf dem Markte bleibt, ausschließ-lich den Leistungen gemäß. Die Wettbewerber hätten dabei auf nichts

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