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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Vierunddreißigstes Kapitel: Die Konkurrenz

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anderes zu achten, als die besten Leistungen zu vollbringen und hättenauf die Preisrichter, das Publikum, im übrigen keinerlei Rücksicht zunehmen. Wie der Läufer oder der Diskuswerfer in der Arena.

Nun bleibt es aber nicht immer bei dieser rein sachlichen Haltungdes Konkurrenten. Er weiß, daß das Publikum zumal, wo es ausFrauen besteht, wie der Regel nach im Verkehr mit letzten Ver-brauchern beeinflußt werden kann auch durch andere als rein sach-liche Erwägungen, und so kommt es zu einer ganz anderen Form desWettbewerbs, derjenigen, die ich

b) die Suggestionskonkurrenz nenne. Hier will derKonkurrent auf das Urteil des Kunden nicht nur durch seineLeistungen wirken, sondern strebt, ihn auf andere Weise für sich ein-zunehmen, indem er dessen selbständiges Denken, die eigene Über-zeugungs- und Entschlußfähigkeit möglichst auszuschalten sucht, in-dem er zwangsweise die von ihm beabsichtigten Vorstellungsweisen undGefühlstöne im andern zu erwecken trachtet, indem er diesem miteinem Wort den Kaufsuggeriert.

Diese Suggestionskonkurrenz hat es nun offenbar gegeben, seit-dem Verträge abgeschlossen sind, jedenfalls immer, wo ein HändlerWaren feilgeboten hat. Der gute Händler, der geschickte Verhandlerist eben immer derjenige gewesen, der die größte suggestive Kraft be-saß, wie ich das an anderem Orte ausführlich dargetan habe. Auch indie strenge Ordnung des vor- und frühkapitalistischen Wirtschafts-lebens wird sich im persönlichen Verkehr diese spezifische Händler-tätigkeit eingeschlichen haben, und mancher Ritter wird sein Schwert,manches Edelfräulein wird sein Schmucktäschchen, gebannt durchdie Überredungskünste des Verkäufers, erworben haben.

Kam die Entpersönlichung, die Versachlichung oder Vergeistungaller wirtschaftlichen Beziehungen mid mit ihr die Versachlichung oderVergeistung der Suggestionskonkurrenz. Für die versachlichte Sug-gestionskonkurrenz haben wir ein Wort, das heute in aller Munde ist:Reklame.

Die Aufgabe der Reklame besteht darin, auf einen unbekanntenKäuferkreis, das ist eben dasPublikum, suggestiv in der Richtungeinzuwirken, daß es sich für einen bestimmten Konkurrenten ent-scheidet. Gegenüber der persönlichen Suggestion hat sich der Auf-gabenkreis der Reklame insofern erweitert, als das Opfer der Über-redungskünste erst gewonnen, erst aus Tausenden herausgeholt werdenmuß. Zu diesem Behufe muß die Reklame zunächst darauf ausgehen,