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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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560 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses

die Aufmerksamkeit auf einen besonderen Fall hinzulenken. Das ge-schieht durch allerhand Reizungen, die auf die Sinne, namentlich dasAuge, ausgeübt werden.

Da dasselbe von einer immer wachsenden Schar von Konkurrentenversucht v»ird, so folgt daraus die Notwendigkeit, immer stärkereReizmittel anzuwenden, tim überhaupt erst einmal beachtet zu werden.

Der heutige Kaufmann und Industrielle ist sich bewußt, daß ernicht allein, sondern zahlreiche Konkurrenten und außerdem Millionenanderer Gewerbetreibenden aller möglichen Branchen in der gleichenZeitung, auf der gleichen Straße ihre Anzeigen veröffentlichen. Weiterweiß er auch, daß jeder einzelne, an den er sich richtet, noch etwasanderes zu tun hat, als gerade dieses oder jenes Inserat zu lesen. Willdeshalb jemand, der eine Anzeige veröffentlicht, daß sie auch gelesenwird und das ist doch von jedem normalen Menschen anzunehmen,so ist er geradezu gezwungen, diese Veröffentlichung in einer Weisezu veranlassen, daß der von Zehntausenden von Eindrücken über-stürmte als Konsument in Frage kommende Einzelne trotzdem aufjene Anzeige aufmerksam wird und sie liest.

Aber mit dem Auffallen ist es nicht getan. Das Gesehene oder Ge-lesene muß sich dem Leser oder Beschauer einprägen; er muß es inseinem Gedächtnisbehalten. Diesem Zwecke dienen wiederum be-sondere Mittel der Reklame, vor allem die Wiederholung. Aber auchdie einprägsame Fassung des Textes oder Bildes. Das Suchen nachseltsamen Namen gehört hierher.

Selbstverständlich muß der Inhalt der Reklame die Anpreisung sein,die wegen der Kürze der Zeit, die für die Beeinflussung des voraus-sichtlichen Käufers zur Verfügung steht, sich in wenigen schlagwort-mäßig ausgestoßenen Superlativen zur höchstmöglichen Wirksamkeitzu steigern sucht.

Voraussetzung aller erfolgreichen Reklame ist der Schwachsinn dergroßen Masse, die sich tatsächlich suggestiv beeinflussen läßt und dochoffenbar wirklich Dinge beim Kauf oder Besuch bevorzugt, die es inder angedeuteten Weise hat anpreisen sehen oder hören. Würde dasPublikum auf die Reklame so reagieren, wie es der Verständige tut:daß es nämlich die angepriesenen Dinge gerade nicht kauft, so würdedie Nutzlosigkeit der Reklame bald eingesehen sein und diese ihr Endeerreicht haben. Aber von dieser Seite her droht ihrem Bestände keineGefahr. Wohl aber trägt sie in sich selber eine gewisse Tendenz zurAuflösung, sofern bei immer stärkeren Reizmitteln diese schließlich ihre