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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Vierunddreißigstes Kapitel: Die Konkurrent

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Wirkung versagen. Wenn alle laut schreien, hört man keinen mehr.Und es scheint, als ob wirklich hier und da auf diesem Wege über dieÜbersteigerung die Reklame sich selber überwunden habe. (WennTheater, Kinos, Warenhäuser kollektive Anzeigen machen.) Doch imgroßen ganzen ist eine Abnahme des Reklamewesens bisher noch nichtzu verspüren gewesen. In den Vereinigten Staaten , der Geburtsstätteder Barnums, hat es immer größeren Umfang angenommen, wie inanderem Zusammenhänge, dort, wo ich die Entwicklung des Anzeigen-wesens (das sich mit dem Reklamewesen überschneidet) darstelle, aneinigen Ziffern erwiesen werden soll.

Hier war nur derGeist der modernen Geschäftereklame zuwürdigen und diese als der Ausdruck einer bseonderen Form der Kon-kurrenz der Suggestionskonkurrenz zu kennzeichnen. Die Wir-kungen dieser Suggestionskonkurrenz können niemals wie bei derLeislangskonkurrenz Steigerungen der Leistungen selber sein. Es seidenn auf dem Umwege einer Ausweitung einzelner Betriebe, auf diedie Suggestionskonkurrenz ihrem inneren Wesen nach vor allem ab-zielt. Ihr eigentlicher Sinn besteht ja darin, Käufer gerade auch zufinden ohne Leistung.

Die Suggestionskonkurrenz beruht immer noch auf dem Grund-sätze desKonkurrierens um die Gunst des Käufers. Jedem Wett-bewerber wird die Freiheit gelassen, sich wirtschaftlich weiter zu be-tätigen. Diese Freiheit wird nun bei der dritten Form der Konkurrenz,der Gewaltkonkurrenz, wie wir sie nennen wollen, aufgehoben.

c) Die Gewaltkonkurrenz zielt darauf ab, durch Gewalt-mittel den Konkurrenten auszuschalten. Wollen wir wiederumein Beispiel aus der Arena als Vergleich heranziehen, so wäre es derFall des Turniers oder seiner heutigen gemeinen Form, des Boxkampfes,der hier in Frage käme, nur daß auch der besiegte Ritter oder derniedergeschlagene Boxkämpfer sich doch wieder erholen und dannabermals zum Kampfe antreten können, während der vernichteteKonkurrent als Leiche auf dem Blachfelde zurückbleibt. Also wäre derblutige Krieg das einzig passende Gleichnis.

Die Gewaltkonkurrenz ist im Zeitalter des Frühkapitalismus diebeliebte Form desWettbewerbs gewesen. Was sie jedoch von dermodernen Gewaltkonkurrenz unterscheidet, ist dieses: daß sie ihreErfolge mit Hilfe der Staatsgewalt erzielte, während sich die moderneGewaltkonkurrenz der Wirtschaftsgewalt bedient. In dieser Form istauch sie wohl in den Vereinigten Staaten von Amerika zuerst auf-