Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
564
Einzelbild herunterladen
 

5(54 Zweiter Abschnitt: Die Bewegungsformen des wirtschaftlichen Prozesses

2. Überblicken wir den Zeitraum des Hochkapitalismus, so be-merken wir in den hundert Jahren, die dem Weltkriege vorangehen,einen immer Wiederkehr enden raschen Anstieg der Wirtschaftskurve,dem ein plötzliches Fallen folgt; ein immer wieder Ins-Unermeßliche-Hinausstreben und darauf ein Zurückfallen und Erlahmen der Kräfte;einen Wechsel mit einem Wort von Aufschwungs- und Nieder-gangsperioden. In den letzten hundert Jahren vor unserer Zeitnicht früher. Keinesfalls vor den Napoleonischen Kriegen. Deutlich er-kennbar, mit allen späteren Zügen, erst im Jahre 1825. Die Höhepunkteder Kurve liegen danach eine Reihe von Jahrzehnten hindurch ziem-lich genau in jedem zehnten Jahre: 1836, 1847, 1857, wonach der Ver-lauf der Konjunkturen unregelmäßig wird, ohne den eigentümlichenRhythmus völlig einzubüßen: Hoch-Zeiten fallen in die Jahre 1872/73,1888/89, 1895/99, 1905/07, 1910/12. Sieht man von den kleineren Be-wegungen ab, so kann man vier Abschnitte in der hochkapitalistischenWirtschaft unterscheiden, in denen der Atem des Ungeheuers in ganzgroßen Zügen wahrnehmbar ist:

18221842 Niedergang,

18431873 Aufschwung,

18741894 Niedergang,

18951913 Aufschwung.

Entsprechend der Ausweitung des Kapitalismus hat der Verlaufdes Wirtschaftslebens sich über ein immer größeres Gebiet gleich-förmig vollzogen, das heißt die Konjunktur hat ein immer inter-nationaleres Gepräge angenommen.

Man hat in der regelmäßigen Abfolge von Auf-und-Ab-Bewegungen,von Expansion und Kontraktion das Walten eines Naturgesetzes erblickenzu sollen geglaubt. Der kluge Jevons hat als Erster den Rhythmus derhochkapitalistischen Wirtschaft mit dem Auftreten der Sonnenflecke inVerbindung gebracht, eine Hypothese, die von den neueren amerikanischenForschern wieder aufgegriffen ist.

Andere haben die zehnjährige Dauer der Konjunkturperiode aus derzehnjährigen Lebensdauer der Eisenbahnschienen hergeleitet; so wohl alsErster Marx, neuerdings D. H. Robertson ( a. a. 0. S. 39f.).

Gegen alle diese Konstruktionen ist zunächst einmal geltend zu machen,daß eine auch nur ungefähre Regelmäßigkeit in der Wiederkehr der Auf-schwungszeiten jedenfalls seit 1857 nicht mehr besteht.

Von diesem Einwande, der ja zur Widerlegung der genannten Hypo-thesen schon genügt, abgesehen, spricht gegen diese der Umstand, daßwir hinreichende Erklärungsgründe des Konjunkturverlaufs besitzen, dieweder mit den Sonnenflecken noch mit dem Schienenverschleiß in Ver-bindung stehen.